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Die reiferen Jahrgänge erinnern sich: Vor vielen Jahren
gehörte es fast zur Tradition, dass im Rahmen des jährlichen INTAKO ein
großes Tanzturnier der Professionals stattfand. Das wurde jetzt wieder
aufgegriffen. Im Maritim-Saal, dem großen und eindrucksvollen Festsaal des
erst vor kurzem in Betrieb genommenen gleichnamigen Hotels am Düsseldorfer
Flughafen fanden sich die Lateintänzer des Deutschen Professional
Tanzsportverbandes zur Deutschen Meisterschaft ein. Auf der ursprünglich
recht langen Startliste mussten aus verschiedenen Gründen einige
Streichungen vorgenommen werden, deshalb war auch eine zunächst eingeplante
nachmittägliche Vorrunde entbehrlich. Das hatte natürlich den Vorteil, dass
es keinem der letztlich noch startenden 14 Paare versagt war, in festlicher
Atmosphäre zu den Klängen von Hugo Strasser und seinem Großen Tanzorchester
seine Leistung zu zeigen.
Die Turnierleitung hat entschieden, dass sieben Paare ins Finale genommen
wurden. Das war im Hinblick auf die Wertungsergebnisse des Semifinales
vernünftig, denn zwischen dem nach dem Semifinale siebten und dem nächsten
Paar gab es den deutlichen Abstand von 53 zu 29 Punkten. Die Endrunde
versprach spannend zu werden: Neu oder wieder dabei waren zwei Paare: Markus
Homm und Ksenia Kasper, die in Moskau leben, haben seit den GOC 2008 nicht
mehr in Deutschland getanzt und auch nicht an der Deutschen Meisterschaft
2008 teilgenommen, Jesper Birkehoj und Anna Kravchenko hatten erst vor
wenigen Wochen nach der diesjährigen Deutschen Amateurmeisterschaft ihren
Wechsel ins Profilager vorgenommen. Prognosen, die sich daran orientieren,
wer wen zuletzt geschlagen hat, waren also insoweit kaum oder gar nicht
möglich. In den Wertungen kristallisierte sich rasch eine Spitzengruppe von
vier Paaren heraus. Es waren dieselben vier, die aus dem Semifinale jeweils
mit 70 Kreuzen hervorgegangen waren, nämlich außer den beiden Genannten
Franco Formica und Oxana Lebedew, Dritte der letzten Weltmeisterschaft,
sowie Evgenij Voznyuk und Oksana Nikiforova, seit einiger Zeit
Semifinalisten fast aller bedeutender auch internationaler Turniere.

Die Siegerehrung
Spätestens nach der Vorrunde hat niemand an einer erfolgreichen
Titelverteidigung durch Formica/Lebedew gezweifelt, es ging also vor allem
um den Vizemeistertitel und den dritten Medaillenrang, nebenbei übrigens
auch um die Nominierung zur Europameisterschaft, die für den 18. April
terminiert ist und in Aarhus (Dänemark) stattfinden wird. Recht knapp fiel
die Entscheidung zwischen Homm/Kasper und Voznyuk/Nikiforova aus: Lagen nach
dem Cha Cha noch die deutschen Vizemeister, die im Semifinale einen
hervorragenden Eindruck hinterlassen hatten, mit einem hauchdünnen Vorsprung
vorn, wendete sich das Blatt alsbald zugunsten von Homm/Kasper, die
letztlich mit einem dritten, drei zweiten und einem weiteren mit ihren
Konkurrenten geteilten zweiten Platz Vizemeister wurden. Sie werden neben
Formica /Lebedew als zweites deutsches Paar am kommenden Samstag in Aarhus
(Dänemark) bei der Europameisterschaft an den Start gehen. Die Neuprofis
Birkehoj/Kravchenko, die man vor dem Turnier allgemein auf einem der
vorderen Plätze zwischen zwei und vier erwartete, hatten einen guten
Einstand. Auch einige Zweien und Dreien zeigen, dass man sie zur
Spitzengruppe rechnen kann.

Hugo Strasser ist für Oliver Wessel-Therhorn und Natascha Karabey seit
langen Jahren im Tanzsport ein treuer Wegbegleiter
Wer die Ergebnisse der internationalen Turniere der letzten Monate verfolgt
hat, war auf die Titelverteidiger Franco Formica/Oxana Lebedew gespannt und
wurde nicht enttäuscht. Vom ersten Tanz an zeigten sie sich der Konkurrenz
deutlich überlegen, gaben nur eine einzige Eins ab und erhielten für ihre
Kür vierzehn Mal 6.0.
Der Kampf um die weiteren Finalplätze gestaltete sich spannend:
Tischmacher/Ortiz-Gomez, die als siebtes Paar des Semifinales die Endrunde
erreicht hatten, konnten sich in zwei Tänzen und der Kür auf Platz 5 bringen
und wurden damit auch für Schurz/Bogdanova gefährlich, die in der
Endabrechnung aber dennoch mit Platz 5 abschlossen. Da jede Wertung nur
einmal vergeben werden darf, ging das letztlich zu Lasten von Ganopolsky/Magdalinova,
für die der 7. Platz blieb. An das Finale schlossen auf Platz 8 Federico
Slemties und Stephanie Thoms an, die sich schon seit längerer Zeit gut und
konstant im Mittelfeld behaupten, sowie auf Platz 9 Wladislaw Lalafarjan,
der mit einer deutlich verbesserten Vanessa Held das aktive Tanzen wieder
aufgenommen hat.

Erinnerung an Bill und Bobbie Irvine:
Oliver Wessel-Therhorn und Natascha Karabey in einer ihrer Choreographien
Mit dem Rahmenprogramm hätte ein gesonderter Abend gestaltet werden können:
Oliver Wessel-Therhorn, der sich zum einen, wie man weiß, sehr auch für die
Geschichte des Tanzens und des Tanzsports interessiert, zum andern Bill und
Bobbie Irvine während langer Jahre auch persönlich sehr nahe stand, hatte
zusammen mit Natascha Karabey anhand von Film- und Videoaufnahmen einige
Originalchoreographien von Standardshows einstudiert, mit denen Bill und
Bobbie Irvine seinerzeit die Tanzsportwelt begeistert haben. Das ist auch
Oliver und Natascha gelungen. Man erinnerte sich bei dieser Hommage mit
Wehmut an dieses außergewöhnliche Paar, konnte zugleich aber auch sehen,
dass trotz aller Fortentwicklung des Standardtanzens die "principles" immer
noch dieselben sind.

Sascha und Natascha Karabey in ihrer grandiosen Standardshow
Natascha war natürlich nicht alleine da. Zusammen mit Bruder Sascha zeigten
sie ihre große Standardshow, mit der die beiden wieder einmal bewiesen, dass
sie zu Recht zu den Spitzenpaaren des Weltprofitanzsports zählen.

Wie gewohnt ein souveräner Turnierleiter: Matthias Fronhoff
Dieses herausragende Ereignis, das bei Matthias Fronhoff und Ingo Woite in
besten Händen lag, sollte zugleich auch Schauplatz des Treffens von Träger
berühmter Tanzsportnamen und von Meistertiteln sein. Insbesondere die Liste
des Wertungsgerichts beweist es. Die Frage von Turnierleiter Matthias
Fronhoff, wie viele deutsche und internationale Meistertitel von den sieben
Wertungsrichtern wohl insgesamt ertanzt worden seien, lagen auch die, die
hoch gegriffen hatten, noch stark daneben: Es sind zusammen über 200.
Falko Ritter
Alle Fotos wurden freundlicher Weise
von Volker Hey zur Verfügung gestellt:
www.sports-picture.net
Finale mit Platzziffern:
1. Franco Formica / Oxana Lebedew (Berlin) - 6
2. Markus Homm / Ksenia Kasper (Nürnberg) - 13,5
3. Evgenij Voznyuk / Oksana Nikiforova (Kassel) - 16,5
4. Jesper Birkehoj / Anna Kravchenko (Karlsruhe) - 24
5. Martin Schurz / Sofia Bogdanova (Bonn) - 33
6. Dennis Tischmacher / Melissa Ortiz-Gomez (Freiburg) - 36
7. Anton Ganopolsky / Nataliya Magdalinova (Ludwigshafen) – 40
Wertungsrichter:
Andrea Beer (Bremerhaven), Karl Breuer (Köln), Patsy Hull-Krogull
(Osnabrück) , Ralf Müller (Rastatt), Wolfgang Opitz (USA), Rudolf Trautz
(Augsburg), Carmen Vincelj (London)
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