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Gelungene Veranstaltung, Silbermedaille für Reuter /
Niemann
Finale:
1. Fabrizio und Lorena Cravero (Italien)
2. Simon Reuter / Julia Niemann (Deutschland)
3. Alessandro Tataranni / Alla Kolobova (Russland)
4. Jernej Brenholc / Daniela Pekic (Slowenien)
5. Stefano Soldati / Annalisa Longo (Italien)
6. Pawel Sobieszek / Anna Bocian (Poland)
7. Ruslan und Olena Golovashchenko (Ukraine)
Es sind nicht sehr viele Ausrichter, die es im DPV immer wieder auf sich
nehmen, für die tanzsportlichen Leistungen der Paare einen adäquaten Rahmen
zu schaffen. Ein neuer ist dazu gekommen, nämlich die ADTV-Tanzschule
Gennaro + Cristian in Freiburg. Diese beiden Tanzlehrer haben vor einigen
Jahren eine Freiburger Tanzschule übernommen und sich jetzt erfolgreich
erstmals um die Ausricȟtung eines größeren tanzsportlichen Ereignisses
beworben. Alexander Cristian hat selbst Turnier getanzt. 2001 und 2002 war
er zusammen mit seiner Frau Andrea, die damals noch Bego-Voeva hieß,
Finalist der Deutschen Kürmeisterschaft Latein sowie 1999 und 2001 der
Deutschen Meisterschaft Latein. Dieses Pilotprojekt, das auch gute
Unterstützung durch die Stadt Freiburg und die örtliche Presse fand, wurde
für ihn und seinen Tanzschulpartner Gaetano Gennaro zu einem vollen Erfolg.
„Pilotprojekt“: Gespräche zwischen Tanzschule und Verband über künftige
Turnierausrichtungen haben bereits begonnen.

Siegerehrung
Aber auch über den sportlichen Aspekt des Ereignisses gibt es Positives zu
berichten:
Im Dezember 2007 haben Marcus Weiss und Isabel Edvardsson in Balingen den
Titel der Europameister in der Standardkür nach Deutschland geholt. Seitdem
war er vakant, denn sie haben an demselben Abend mit diesem Erfolg die Zeit
des aktiven Tanzens beendet, 2008 hat keine Europameisterschaft in dieser
Disziplin stattgefunden.
Der DPV hatte für die Europameisterschaft in zwei kürstarke Paare ins Rennen
geschickt, nämlich die Deutschen Meister Simon Reuter und Julia Niemann
sowie die Vizemeister Boris und Madeleine Rohne.

Das „Konzerthaus“ in Freiburg ist für Tanzturniere sehr gut geeignet
Schon bei der Kürprobe und in der ersten Runde, zu der 13 Paare angetreten
waren, wurde deutlich, dass es nicht einfach werden würde, sich in dieser
starken Konkurrenz durchzusetzen. Vor allem die Vizeeuropameister Ruslan und
Olena Golovaschenko (Ukraine) und die weiteren damaligen italienischen
Finalpaare Fabrizio und Lorena Cravero (Italien) gaben ein sehr gutes Bild
ab. Erstmals nahmen auch Alessandro Tataranni und Alla Kolobova aus Russland
an einer internationalen Kürmeisterschaft teil. Sie behaupten sich seit
Jahren bei den „normalen“ Standardweltmeisterschaften recht weit vorn im
Feld.
Das Resultat des elfpaarigen Semifinales war für Boris und Madeleine Rohne
eine Enttäuschung. Mag sein, dass der Funke von ihrer Kür nicht ganz so gut
übersprang wie bei den Deutschen Meisterschaften 2008 in Dresden und vor
wenigen Wochen in Lengerich, aber mit dem 10. Platz sind sie wohl zu
schlecht weggekommen. Vielleicht war es auch das Los des „zweiten Paares“
einer Nation, eine Erscheinung, die nicht nur im Kürtanzen zu beobachten
ist. Drei Paare haben alle sieben Kreuze erhalten, nämlich die nach der
Finalwertung vordere Dreiergruppe, zwei Paare, die dann im Finale die Plätze
vier und fünf erreichten, bekamen fünf Kreuze. Die weiteren Semifinalpaare
erhielten zwischen Null und drei Kreuzen. Den Regularien entsprechend wurden
die zwei Paare mit
drei Kreuzen mit ins Finale genommen, unter Leistungs- und
Wertungsgesicȟtspunkten hätte sich der Schnitt eher nach den vorderen fünf
angeboten. Wenn von den 42 Kreuzen, die das Wertungsgericht im Semifinale
insgesamt vergeben durfte, schon 31 an die vorderen fünf Paare gegangen
sind, dann ist die Rangfolge auf den weiteren Plätze auch ein wenig
Glückssache. Die im Semifinale Ausgeschiedenen lagen zwischen null und zwei
Kreuzen. Ein Kreuz mehr, und unser zweites Paar hätte einen geteilten
Finalanschlussplatz erreicht. Madeleine und Boris stecken solche
Enttäuschungen, die jedes Turnierpaar kennt, übrigens mit einer
beispielgebenden sportlichen Haltung weg.

Siegerehrung mit den Veranstaltern Alexander Cristian und Gaetano Gennaro
(vorne rechts)
Die drei nach dem Semifinale vorderen Paare machten zunächst die
Medaillenränge unter sich aus: Vier Einsen gingen an Fabrizio und Lorena
Cravero und ihre Kür "a funny game", drei an Ruslan und Olena Golovashchenko
(„We have no idea about its title”). Die deutschen Meister kamen mit „Emotions“
klar auf Platz drei und hatten sich schon vorbereitet, mit der
Bronzemedaille geehrt zu werden. Fast in letzter Sekunde musste jedoch für
den Turnierleiter die Liste der Finalergebnisse ausgetauscht werden:
Aufgrund einer Entscheidung der Invigilator Massimo Giorgianni und Alexander
Zenkevich wurde das ukrainische Paar wegen Verstoßes gegen die Liftregeln
disqualifiziert und erhielt den letzten Finalplatz, also Platz sieben. Die
beiden Invigilator haben, wie sie anschließend sagten, das Paar schon bei
der Kürprobe darauf aufmerksam gemacht, dass die Lifts ihrer Choreographie
nicht regelgerecht seien. Das habe das Paar auch im Viertelfinale und im
Semifinale beherzigt, jedoch nicht mehr im Finale. Eine harte Entscheidung,
aber unumgänglich, wenn das Regelwerk nicht zur Farce werden soll.

Die Vizeeuropameister Julia Niemann und Simon Reuter (Deutschland)
Das führte dazu, dass Simon Reuter und Julia Niemann auf Platz zwei
aufgerückt sind und Vizeeuropameister wurden, ein sehr guter Einstand also
auch im internationalen Kürtanzen.
F. R.
Alle Fotos: Gregor Luschnat
Die Fotos hat uns freundlicherweise Gregor Luschnat (G.L. ART-PHOTOGRAPHY
Freiburg i.B.) zur Verfügung gestellt.
Wir empfehlen einen Besuch seiner Seite
www.Luschnat.ilovephotos.de .
Dort können auch Abzüge dieser und anderer Fotos bestellt werden.
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Heiko Kleibrink, selbst viele Jahre lang erfolgreicher
Tänzer auch in der Standard Kür und in dieser Disziplin von 1997 bis 2003
einige Male WM-Finalist, hat uns folgenden Beitrag zur Verfügung gestellt:
Back to the roots!
Der Trend der Kür-Standard geht wieder ganz deutlich zurück Richtung
Standardtanz. Das mag eigenartig oder gar komisch klingen, da eine Kür
mindestens 70% der jeweiligen Turniertänze beinhalten muss. In den letzten
Jahren sah die Praxis allerdings anders aus. Immer wieder schafften es auch
Lateinpaare sich für internationale Kür-Standard Endrunden zu qualifizieren.
Aufgrund deren mangelndes Verständnis für die Technik und Bewegungslehre der
Standardtänze taten sie das, was sie am besten konnten: sie tanzten Latein!
So gab es dann WM-Finalisten, die mit einer Paso Doble Kür Furore machten.
Leider muss ich zugeben, dass diese lateinlastigen Küren häufig für das
Publikum sicherlich sehr erfrischend wirkten. Doch die heutigen
Standardpaare, die diese Disziplin sehr ernst nehmen, haben sich enorm
entwickelt. Standardtanzen ist heute kein "boring dancing" mehr wie es einst
Donny Burns im Scherz zu sagen pflegte. Die Standardtänze haben sich, meiner
Meinung nach, in den letzten 10 Jahren sogar stärker entwickelt als die
Lateintänze. Standardtanzen ist aufgrund seiner enormen Dynamik und
raumgreifenden Bewegungen viel sportlicher geworden. Und auch in Sachen
Performance hat sich einiges getan. Man experimentiert mit extremen Shapes
und Neigungen und das nicht nur in der Kür. Aus dem englischen
"Understatement" der 80er und 90er Jahre ist progressive Extrovertiertheit
geworden. Der Frack, unser Relikt aus der Steinzeit, ist zumindest in der
Kür dem Anzug oder der Weste gewichen. Wer heutzutage in ein EM und WM
Kür-Finale möchte muss also ein sehr gutes Gesamtpaket anbieten. Show
alleine ist nicht mehr gefragt. Nur wer das "moderne Standardtanzen" mit
einer perfekten künstlerischen Darstellung verbinden kann hat echt Chancen
auf einen Finalplatz.

Der SWR hat die Meisterschaft leicht zeitversetzt übertragen
Zum ersten Mal überhaupt starteten Simon Reuter und Julia
Niemann für Deutschland bei einer Europameisterschaft. Bereits in den ersten
Runden präsentierten sie ihre sehr gefühlvolle Kür "Emotions" mit einer
enormen Souveränität. Tänzerisch konnten sie es mit jedem anderen Paar
aufnehmen. Ihre weichen fließenden Bewegungen ließen Erinnerungen an die
Baricchis wach werden. Mit allen möglichen Kreuzen zogen sie in ihr erstes
EM-Finale. Das Los entschied, dass sie als erstes Paar im Finale auf das
Parkett mussten. Ohne Anzeichen von Nervosität tanzten sie fehlerfrei und
mit ungeheurer Leidenschaft.
Besonders Julia überzeugte mich an diesem Abend mit ihrer Ausstrahlung und
ihrer perfekten Ergänzung zu Simon.
Durch eine Disqualifikation der zunächst zweitplatzierten Ukrainer wurden
sie Vize-Europameister und mussten sich nur dem italienischen
Geschwisterpaar Cravero geschlagen geben.
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