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Dem Winter zum Trotz: Kürweltmeisterschaft Standard in
Leipzig
Leipzig hat Tanzsporttradition. Schon vor 1990 traf sich dort die
Tanzsportprominenz der Welt bei zahlreichen hochkarätigen Turnieren, z.B. um
den „Messe-Pokal“. Diese Tradition wurde später fortgesetzt: Die ARD Masters
Gala 2002, 2004 und 2005 und die Weltmeisterschaft der Amateure Latein 2004
waren die Höhepunkte der letzten Jahre.

Einmarsch der Paare
So gesehen war niemand sonderlich
erstaunt, als Oliver Thalheim und Tina Spiesbach die Idee hatten, in der
„Glashalle“ der Leipziger Messe eine Weltmeisterschaft der Professionals
auszurichten. Oliver und Tina, die Leipziger Messe GmbH und die Olympia
Sport Leipzig GmbH als die Mitverantwortlichen hatten das Glück der
Tüchtigen: Zum Jahresausklang konnte sich der deutsche Profitanzsport noch
einmal an einer perfekt organisierten glanzvollen Großveranstaltung
erfreuen. Die Glashalle ist in ihrer eigentlichen Funktion die große
Zentralhalle für den gesamten Leipziger Messebereich. Sie besteht praktisch
aus einem riesigen gläsernen der Länge nach halbierten und auf den
„Schnittkanten“ ruhenden Zylinder. Die Sorge, die man am hellen Morgen bei
den Vorrunden angesichts der riesigen Ausmaße der Halle haben konnte, ob
sich denn auch die wünschenswerte Turnieratmosphäre würde herstellen lassen,
erwies sich als unbegründet: Es war einfach traumhaft.
Als
Turnierleiter war Joachim Llambi (Foto links) verpflichtet worden. Er ist im
Deutschen Professional Tanzsportverband der Beauftragte für alle
Fernsehangelegenheiten, war aber von den Leipziger Medien im Rahmen der
Pressearbeit im Vorfeld aus naheliegenden Gründen mit einem Hinweis auf
seine Funktion als „Juror“ bei „Let's dance“ in Erinnerung gebracht worden.
Dort hat er die Rolle des „strengen Wertungsrichters“, viele Zuschauer
werden deshalb über seine nicht nur kompetente, sondern auch ausgesprochen
liebenswürdige Turnierleitung im guten Sinne überrascht gewesen sein.
Fast alles hatten die Organisatoren fest im Griff, keinen Einfluss hatten
sie leider auf die Wetterlage. Im April bei der Europameisterschaft 10 Tänze
in Siegen hatte der isländische Vulkan Eyjafjallajökull für einige Paare die
Anreise erschwert oder unmöglich gemacht, dieses Mal waren es Schnee und Eis
und ihre Auswirkungen auf Straßen, Bahnen und Flugplätze. Dabei haben manche
durchaus nicht sofort resigniert: German Mustuc und Iveta Lukosiute, die ab
Zürich mit dem Flugzeug nicht weiter kamen, kämpften sich per Taxi bis zu
einer Flugmöglichkeit ab München durch. Aber manche blieben eben
buchstäblich auf der Strecke, so dass letztlich nur noch 14 Paare auf der
Startliste standen.

Die Glashalle als Turniersaal
Die für den späten Vormittag öffentlich
angekündigte Vorrunde musste gleichwohl durchgeführt werden, allerdings hat
man sich entschlossen, alle Paare auch am abendlichen Semifinale teilnehmen
zu lassen. Dass die langjährig erfolgreichen Kürtänzer Fabrizio und Lorena
Cravero aus Italien sowie Ruslan und Olena Golovashchenko aus der Ukraine
auch dieses Mal das Finale erreichen würden, war schon nach der Vorrunde zu
erwarten. Mit weiteren Prognosen tat man sich allerdings schwer. Das hängt
weitgehend mit den Besonderheiten der Kürturniere zusammen: Wenn es zwar
bestimmte Regeln, aber dennoch größere Spielräume für eine individuelle
Gestaltung gibt, ist die Ergebnisermittlung von einer solchen mit Maßband
und Stoppuhr noch weiter entfernt als bei den sonstigen Turnieren. Das ist,
wenn auch künstlerische Aspekte eine Rolle spielen, unvermeidbar, vielleicht
auch so gewollt.
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Siegerehrung |

Schneeflöckchen-Kinder |
Dem entspricht auch das Ergebnis der
Auswahlwertung im Semifinale und der im Finale vergebenen Plätze: Kein Paar
wurde von allen sieben Wertungsrichtern ins Finale gewertet, in das die
sechs Paare kamen, die fünf oder sechs Kreuze erhalten hatten. Zwei weitere
Paare lagen mit vier und drei Kreuzen dichtauf. Erst dann gibt es einen
kleinen Abstand zu den übrigen Paaren. Im Finale schaffte kein Paar eine
„Einsermajorität“. Bei der Zweiermajorität musste anhand der Summe der diese
Majorität herstellenden Plätze entschieden werden, und auch das ging für
Fabrizio und Lorena Cravero und ihre Kür „A funny game“ extrem knapp aus.
Der mit der Russin Veronika Vlasova für Russland tanzende Italiener Alessio
Potenziani (Kür: „Sensation“) hatte das Nachsehen. (Das hat er gelassen
hingenommen und bei der Siegerehrung die italienische Nationalhymne ein
bisschen mitgesungen.) Die genannte Regel musste auch für die Entscheidung
zwischen Platz 4 und Platz 5 herhalten, die zuungunsten von Oliver Thalheim
und Tina Spiesbach (Kür: „Era gia tutto previsto“) ausging. Sie mussten sich
Gherman Mustuc und Iveta Lukosiute mit ihrer schönen Kür „Carmen“ geschlagen
geben, allerdings nur ganz knapp.
Die Bilanz für die deutschen Teilnehmer ist ausgesprochen positiv: Oliver
Thalheim und Tina Spiesbach, die erstmals an einer internationalen
Kürmeisterschaft teilgenommen haben, nahmen auf Anhieb zusammen mit
langjährigen Kürexperten am Finale teil. Felix Schäfer und Nina Ciechowski
(Kür: „Ritornare“) konnten zwar ins Finale nicht eingreifen, teilten dieses
Los aber mit einigen anderen Paaren, die ebenfalls ein gutes Bild abgegeben
hatten. Wenn bei 14 Paaren nur sechs Paare ins Finale gewertet werden
dürfen, ist bei jedem Wertungsrichter der Vorrat an Kreuzen eben bald
erschöpft.

Oliver Thalheim und Tina Spiesbach
Erfreulich war die Unterstützung der
deutschen Paare (naheliegenderweise vor allem des Leipziger Paares) durch
das Publikum. Schließlich treten die Paare nicht nur unter ihrem Namen,
sondern für ihre Nationen an. Da darf das Paar der eigenen Nation angefeuert
werden. Das gilt selbstverständlich für die Schlachtenbummlergruppen aus dem
Ausland, das muss aber auch für das heimische Publikum und die Paare des
Ausrichterlandes gelten. Das deutsche Publikum tut sich da manchmal etwas
schwer.
Die Ergebnisliste und die kompletten Wertungen sind auf den Seiten des WDC
zu finden.
Bitte hier klicken.
Wertungsrichter: A: Francois Visele (Frankreich), B: Mariano
Annunziato (Italien), C: Osamu Kaiho (Japan), D: Trudi Barr (Norwegen), E:
Bruno Belousov (Russland), F: Andrea Kiefer (Deutschland), G: Svein Rotvold
(Norwegen)
Falko Ritter
Fotos: Franziska Streffing
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