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Vier Medaillen, davon zwei goldene, weitere Plätze im vorderen Feld und
in der Mitte
Wie immer in den vergangenen Jahren standen im Rahmen der German Open
Championships für die Professionals vier Turniere auf dem Programm, und zwar
in den Standard- und in den lateinamerikanischen Tänzen je ein World-Series-
und ein Rising-Star-Turnier.
Ich möchte dieses Mal nicht diese vier Turniere einzeln abhandeln, sondern
mich an den Paaren orientieren, die in Stuttgart getanzt haben.
Zunächst ein wenig Statistik: von 20 DPV-Paaren wurden insgesamt 30 Starts
absolviert, elf Paare haben je ein Turnier getanzt, acht in ihrer Disziplin
beide (fünf in Latein, drei in Standard), eines hat an drei Turnieren (beide
Lateinturniere, Rising Star in Standard) teilgenommen.
16 Paare haben sich in der Vorrunde oder den Vorrunden weiter qualifiziert.
Im Einzelnen sind das folgende:
Standard:
Sascha und Natascha Karabey waren erst in der Nacht zum Dienstag -
das war der Tag des World-Series-Turniers - mit Verspätung um Mitternacht
aus Japan zurück gekommen und von Tokyo über Wien in Frankfurt eingetroffen.
Dann haben sie zu Hause kurz umgepackt und sind mit dem Auto nach Stuttgart
gefahren. Da ist es auch für ein längst in der Weltspitze etabliertes Paar
nicht ganz einfach, sich gegen starke Konkurrenz durchzusetzen. Um so höher
ist es zu bewerten, dass sie den von ihnen nach der „Papierform“ erwarteten
Medaillenrang 3 trotz dieser konditionszehrenden Umstände erzielen konnten.
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Sascha und Natascha Karabey |
Rüdiger Homm und Viktorija Triscuka |
Für die Deutschen Vizemeister Rüdiger Homm und Viktorija Triscuka
wurde wie im letzten Jahr ein Anschlussplatz errechnet, allerdings 2009 zum
Semifinale, dieses Mal mit dem 7. Platz zum Finale, das ist ein respektabler
Fortschritt. Im Semifinale lagen sie nur vier Kreuze von 55 möglichen hinter
den sechstplatzierten Japanern.
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Oliver und Jasmin Rehder |
Erstmals haben Oliver und Jasmin Rehder aus Köln bei den GOC als
Professionals getanzt, und zwar beide Turniere ihrer Disziplin Standard.
Schon im World-Series-Turnier hätten sie viele gerne im Semifinale gesehen,
so auch immerhin vier Wertungsrichter in allen Tänzen, am Ende wurde dann
für sie Platz 14 errechnet, kein schlechtes Ergebnis beim GOC-Profi-Einstand.
Besonders erfreulich war es, dass sie zudem am nächsten Tag mit Platz 1 in
allen Tänzen das Rising-Star-Turnier gewonnen haben. Damit ging die
Goldmedaille in diesem Turnier wie im Vorjahr, als Rüdiger Homm und
Viktorija Triscuka auf dem Treppchen ganz oben standen, nach Deutschland.
Gut eingeführt haben sich bei ihren ersten großen internationalen
Profiturnieren die Berliner Felix Schäfer und Nina Ciechowski:
Besonders bei den Rising Stars gaben sie mit dem Finalanschlussplatz 7 ein
sehr gutes Bild ab.
Matthias Wirth und Annelie Röhrl haben ihr erstes Profiturnier
getanzt und auf Anhieb einen Platz in der Mitte des Feldes erreicht.
Latein:
Wie Sascha und Natascha Karabey waren auch die beiden deutschen Lateinpaare
der Weltspitze Franco Formica/Oxana Lebedew und Markus Homm und Ksenia
Kasper erst unmittelbar vor den GOC aus Asien nach Deutschland zurück
gekommen, hatten allerdings, weil ihr Turnier erst am Freitag stattfand,
eine etwas längere Verschnaufpause.
Auch auf dem lateinamerikanischen Sektor ist die Bilanz sehr erfreulich: Die
international sehr erfolgreichen Deutschen Meister Franco Formica und
Oxana Lebedev haben auch dieses Mal nicht nur nicht enttäuscht, sondern
mit ihrer traumhaften Leistung die Halle zum Toben gebracht. Auch die
Wertungsrichter sahen das so: Das Siegerpaar hat keine einzige der 55 Einsen
abgegeben. Diese Wertung war zugleich ein Beweis dafür, dass es nicht auf
das „was“, sondern auf das „wie“ ankommt. Rumbamusik macht ständige
Fortbewegung im Raum nicht erforderlich, bei der lässigen, lockeren
Jivemusik ist im Grunde halsbrecherische Bodenakrobatik entbehrlich. Auch
Franco und Oxana sehen das so und tanzen dementsprechend.
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Franco Formica und
Oxana Lebedev |
Markus Homm und Ksenia Kasper |
Die Deutschen Vizemeister Markus Homm und Ksenia Kasper belegten
Platz 3, so dass bei der Siegerehrung zu den Klängen der deutschen
Nationalhymne gleich zwei deutsche Flaggen emporgezogen wurden. Mit knappem
Vorsprung und mit Hilfe der Skating-Regeln konnten sie Maurizio Vescovo und
seine neue Partnerin Andra Vaidilaite auf Platz vier verweisen.
Jedenfalls Maurizio ist dem GOC-Publikum seit vielen Jahren bestens bekannt.
Ab 2002 ist er in den Ergebnislisten der Amateure als Finalist verzeichnet.
Das Paar hat für seine Leistung einen lang anhaltenden Applaus
einschließlich einer Standing Ovation bekommen. Das war verdient, zumal er
jetzt erfreulicherweise – vielleicht unter dem Einfluss der neuen Partnerin
– auf überflüssige Clownerien verzichtet. Nun spricht es sicher für die
Objektivität des Publikums, wenn auch Teilnehmer aus dem Ausland mit Beifall
bedacht werden. Es geht einem dann allerdings doch Einiges durch den Kopf.
Beispielsweise: Ich habe es in all den Jahren der GOC nicht erlebt, dass
einem deutschen Paar, das gegenüber einem ausländischen Konkurrenten „zu
schlecht wegkam“, ähnlicher Trost zuteil wurde. Erst recht gibt es kein
deutsches Paar, das in einer solchen Lage im Ausland Derartiges erlebt
hätte. Mit anderen Worten: Sportliche Gesinnung in Ehren, aber man kann es
ja auch übertreiben.
Nach einer Zeit einer gewissen Turnierenthaltsamkeit waren für Deutschland
auch Evgenij Voznyuk und Oksana Nikiforova am Start. Sie haben das
Semifinale erreicht und sich mit Platz 10 innerhalb der aktuellen internen
Reihenfolge vor Jesper Birkehoj und Anastasia Kravchenko gesetzt, die
das Turnier mit Platz 16 abschlossen.
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Massimo Sinato und Tatjana Kuschill |
Wenige Tage vor den GOC hatten Massimo Sinato und Tatjana Kuschill
(Platz 5 der letzten Deutschen Meisterschaft der Amateure) ihren Wechsel ins
Profilager bekannt gegeben. Sie haben bei den Rising Stars das Finale
erreicht und unter 33 Paaren den vierten Platz belegt. Immerhin vier
Wertungsrichter haben sie klar als Sieger gesehen.
Sergiy Plyuta und Debbie Seefeldt aus Hamburg waren nach ihrem
Profidebut bei der Deutschen Kürmeisterschaft im April in Hannover - dort
konnten sie mit einem dritten Platz überzeugen - erstmals als Profis bei
„normalen“ Lateinturnieren am Start. Sie kamen bei den Rising Stars mit
Platz 7 weit nach vorn und konnten sich auch im World Series Turnier im
Viertelfinale gut behaupten.
Punktgleich mit Sergiy Plyuta und Debbie Seefeldt kamen Jürgen Schlegel
und Melissa Ortiz-Gomez auf Platz 7. Ähnlich unglücklich lief es für sie
auch im World-Series-Turnier: Hier haben sie mit Platz 25 die 24er Runde nur
knapp verfehlt.
Stefan Erdmann und Sarah Latton, die noch in die 24er Runde kamen,
sowie Anton Ganopolsky und Nataliya Magdalinova, die mit Platz 27 an
dieser ebenfalls nahe dran waren, haben in keiner Weise enttäuscht, konnten
aber auch nicht erfolgversprechend nach vorn angreifen.
Sergey Oladyshkin und Anastasia Weber haben bei den Rising Stars
Runde 2 erreicht
„Doppelstarter“:
Sowohl in Standard als auch in Latein gaben Stefan Heinrich und
Manuela-Agata Brychzy, die insgesamt sogar bei drei Turnieren am Start
waren, ein gutes Bild ab. In ihrer stärkeren Disziplin Latein kamen sie im
World-Series-Turnier eine Runde weiter und bei den Rising Stars sogar mit
Platz 11 ins Semifinale. Sie werden künftig sicher auch bei
10-Tänze-Turnieren ein Wort mitreden.
Wie im Vorjahr haben die deutschen Profitänzer auch bei den German Open
Championships 2010 einen guten Beitrag zur deutschen Platzierung im
Medaillenspiegel geleistet. In nur vier Turnieren gab es für sie vier
Medaillen (2 Gold, 2 Bronze; Medaillen für deutsche Paare insgesamt: 4 Gold,
4 Silber, 6 Bronze). Ein bisschen schade ist es, dass in insgesamt fünf
Fällen unsere Paare nur um einen Platz die nächste Runde verfehlt haben.
Übrigens: Wie Insider wissen, sind die künftigen nationalen und
internationalen Verbandsstrukturen und ihre möglichen Auswirkungen auf die
GOC 2011 und die weiteren Jahre im Gespräch. Die Diskussion ist jedoch noch
nicht so weit fortgeschritten, dass es jetzt schon sinnvoll wäre,
Zwischenergebnisse bekannt zu geben.
Die Finalrunden:
World Series Standard (37 Paare)
1. Mirko Gozzoli/Edita Daniute, Italien
2. Domenico Soale/Gioia Cerasoli, Italien
3. Sascha Karabey/Natascha Karabey, Deutschland
4. Valerio Colantoni/Yulia Spesivtseva, Russland
5. Eldas Dzhafarov/Anna Sazhina, Aserbaidschan
6. Kota Shoji/Nami Shoji, Japan
Rising Stars Standard (24 Paare)
1. Oliver Rehder/Jasmin Rehder, Deutschland
2. Alexey Troshin/Ekaterina Kirillova, Russland
3. Veiko Ratas/Helena Liiv, Estland
4. Andrey Klinchik/Yuliya Klinchik, USA
5. Herman Lak/Michèle Lak, Niederlande
6. Sergii Kravchuk/Anastasiya Fedchyshyna, Ukraine
World Series Latein (53 Paare)
1. Franco Formica/Oxana Lebedew, Deutschland
2. Andrej Skufca/Melinda Törökgyörgy, Slowenien
3. Markus Homm/Ksenia Kasper, Deutschland
4. Maurizio Vescovo/Andra Vaidilaite, Italien
5. Emanuele Soldi/Elisa Nasato, Italien
6. Przemek Lowicki/Asta Sigvaldadottir, Polen
Rising Stars Latein (33 Paare)
1. Daniele Gozzi/Cecilia Giovacchini, USA
2. Alessandro Camerotto/Nancy Berti, Italien
3. Markku Hyvärinen/Disa Kortelainen, Finnland
4. Massimo Sinato/Tatjana Kuschill, Deutschland
5. Katsuya Tateishi/Hiromi Tateishi, Japan
6. Christophe Licata/Anfray Coralie, Frankreich
Ausführlichere Informationen sind im Internet zu finden unter
www.goc-stuttgart.de
.
Einige Anmerkungen zu bestimmten
Randerscheinungen der GOC:
Mein Eindruck ist, dass die GOC in den vergangenen Jahren viel von
der Festlichkeit und Eleganz der Gründerzeit eingebüßt hat. Ein paar
Beispiele:
Die Zuschauer müssen auf ihrem Weg in den Beethovensaal zwangsläufig
die Flächen passieren, die den Paaren zum Umkleiden und Aufbewahren
ihres Gepäcks und ihrer Utensilien zur Verfügung steht. Das lässt
sich sicher (aus baulichen und räumlichen Gründen) nicht anders
regeln. Wohl aber ließe sich ändern, dass sich dort im Laufe der
Stunden allerlei Müll (Verpackung von Speisen und Getränken u. ä.)
ansammelt und nicht weggeräumt wird. Gewiss ist die Ursache dafür
bei einem Teil der Paare und ihrer „Kinderstube“ zu suchen, solche
Ursachen interessieren aber - ähnlich wie in einem Hotel - den
zahlenden Besucher nicht besonders.
Es finden im Saal kaum mehr Kartenkontrollen statt mit der Folge,
dass sich Personen, die bestimmte Sitzplätze gebucht und bezahlt
haben, nicht nur tagsüber, sondern auch während der
Abendveranstaltung mit denen, die dort eigenmächtig Platz genommen
haben, in Diskussionen verwickeln lassen müssen, längere
Diskussionen oftmals, mit der Folge, dass die dahinter Sitzenden
während der Zeit dieser Auseinandersetzungen die Fläche nicht mehr
sehen. Die Platzbesetzer schrecken oftmals nicht einmal davor
zurück, zum Aufsuchen anderer noch freier Plätze über die
Stuhlreihen zu steigen. Ihnen hätte man noch vor einigen Jahren
„etwas anderes erzählt“.
Nebeneffekt dieser Unsitten ist es, dass von einem (ungeschriebenen)
Dress Code nicht mehr die Rede sein kann. Man sieht dort Zuschauer
am Abend in einer Kleidung, die die daneben Sitzenden allenfalls zum
Rasenmähen anziehen würden und empfindet sich im dunklen Anzug dann
irgendwie fehl am Platze.
Zu allen Tageszeiten werden im Bereich der Sitzplatzblöcke
mitgebrachte Speisen und Getränke verzehrt, Colaflaschen, die gerade
geöffnet werden, spritzen munter durch die Gegend, nach Leerung
werden sie auf den Boden gelegt, womit die Frage der Entsorgung für
den vormaligen Besitzer offenbar erledigt ist.
Nein, schön ist das alles nicht. Maßnahmen, die diesen Missständen
entgegen wirken, kosten Geld, z.B. für zusätzliches Personal. Geld
ist knapp geworden. Dennoch sollte die GOC-Organisation darüber
nachdenken, ob und wie sich hier etwas verbessern lässt. |
F.R.
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