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Tanzsporthochburg Leipzig: Vom Glück des Tüchtigen
Schon am 18. Dezember 2010, dem Tag der Weltmeisterschaft Kür Standard,
hatten der DPV und die Leipziger Ausrichter, also die Olympia Sport GmbH und
die ADTV-Tanzschule Oliver Thalheim und Tina Spiesbach, ist Auge gefasst: So
etwas machen wir nächstes Jahr wieder. Einerseits war das gut zu verstehen:
Der Erfolg dieser glanzvollen Veranstaltung legte den Gedanken an eine
Wiederholung nahe. Vielleicht doch ein bisschen mutig, dachten die
Vorsichtigeren, und auch daran, dass mit des Geschickes Mächten kein ew'ger
Bund zu flechten ist. Doch die Mutigen hatten Recht: Wiederum hatten rund
zweitausend Zuschauer den Weg zum Messegelände im Nordosten der Stadt
gefunden. Die Glashalle war ursprünglich als gemeinsame Eingangshalle für
das gesamte Messeareal konzipiert, dient jetzt aber mehr und mehr auch
selbst als „Event-Location“, wurde in einer Begrüßungsansprache erläutert.
Perfekte Organisation, sorgfältige und ungestörte Abwicklung der
Formalitäten, Hotel in nächster Nähe, unermüdlicher Shuttledienst, das alles
schuf beste Voraussetzungen für eine internationale Meisterschaft der
Professionals, von der sich die deutschen Ausrichter natürlich auch adäquate
sportliche Meriten erhofften. Nicht ohne Grund hatte man gerade die
Europameisterschaft Kür Latein gewählt: Jesper Birkehoj und Anna Kravchenko
waren im November 2010 in dieser Disziplin Europameister geworden, für die
Titelverteidigung sollte ein optimaler Rahmen geschaffen werden. In diesem
einen Punkt ging die Rechnung leider nicht auf: Jesper war in seinem anderen
Beruf (er ist IT-Experte bei Daimler-Benz) zu dieser Zeit unabkömmlich.
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Stefan Erdmann und Sarah Latton haben sich im
Vergleich mit dem Vorjahr
um zwei Plätze verbessert |

Zum ersten Mal dabei und gleich im Finale:
Valera Musuc und Nina Trautz |
Aber der DPV ist gut aufgestellt. Er ging
mit den mehrmaligen deutschen Kürmeistern und zweiten deutschen
EM-Finalisten des Vorjahres, Stefan Erdmann und Sarah Latton ins Rennen,
außerdem mit Valera Musuc und Nina Trautz, die schon im Lateinturnier im
September demonstriert haben, dass ihnen die Kürdisziplin Freude macht und
für sie erfolgversprechend ist. Das Ergebnis vorweg: Beide Paare haben das
Finale erreicht und die Plätze fünf und sieben belegt.
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Im Rahmenprogramm: Viele kleine Hexen.... |

... und Rock'n'Roll |
Darüber, ob die „richtigen“ Paare im
Finale waren, lässt sich bei den herkömmlichen Turnieren über fünf Tänze oft
weitgehend Übereinstimmung feststellen. Das ist in der Kürdisziplin nicht
so. Deshalb zunächst zur „Papierform“. Ihr entspricht der Sieg der Italiener
durchaus, die bei der Europameisterschaft 2010 nicht am Start waren, aber
2009 und in den Weltmeisterschaften 2009 und 2010 an den Finalrunden
teilgenommen haben. Auch mit den Vizeeuropameistern 2010 Justas Kucinskas /
Jekatarina Romankova war zu rechnen, dieses Ergebnis erzielten sie auch
dieses Mal. Finalteilnehmer 2010 waren auch Stefan Erdmann und Sarah Latton.
Alle vier anderen Paare sind zum ersten mal auf den Endrundenlisten
internationaler Kürmeisterschaften zu finden. Ihnen mussten einige
kürerfahrene Paare weichen, z.B. Plamen Danailov und Radostina Gerova aus
Bulgarien, die sich nach zwei Finalteilnahmen 2009 und 2010 im zweistelligen
Bereich der Ergebnisliste wiederfanden. Bei dieser Konstellation ist die
Finalteilnahme beider deutscher Paare ein äußerst erfreuliches Ergebnis. Auf
die Deutsche Meisterschaft, die am 10. Dezember in Balingen stattfindet, und
auf die Weltmeisterschaft eine Woche später in Kazan (Russland) können wir
uns freuen.
Die Fotos stammen dieses Mal von Martin Schlichting aus Dresden, der dort
ein Fotostudio betreibt und selber Turniertänzer ist. Er hat eine große
Auswahl von Fotos ins Netz gestellt, die auch online bestellt werden können.
http://www.sconi-piladi.de/111029/
Finale:
1. Alessandro Camerotto / Nancy Berti, Italien
2. Justas Kucinskas / Jekatarina Romankova, Litauen
3. Oleksandr Skarlato / Yulia Lesokhina, Ukraine
4. Arsen Agamalyan / Oxana Vasilieva, Russland
5. Stefan Erdmann / Sarah Latton, Deutschland
6. Sven Ninnemann / Nina Chin-Ju Uszkureit, Schweiz
7. Valera Musuc / Nina Trautz, Deutschland
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Vom DPV war Olga Müller-Omeltschenko als
Wertungsrichterin nominiert |

Als Turnierleiter fachkundig, freundlich und
unterhaltsam: Joachim Llambi |
Wertungsrichter: Mariano Annunziato
(Italien), Ad de Bruijn (Niederlande), Svein Rotvold (Norwegen), Tamara
Belyaeva (Russland), Luis Delgado (Spanien), Vitaliy Grygorovych (Ukraine),
Olga Müller-Omeltschenko (Deutschland)
Autor: Falko Ritter
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Beobachtungen, Überlegungen, Diskussionsstoff
von Falko Ritter
- Das Siegerpaar, auf das es für die Zuschauer und die Experten
schon nach den ersten Tänzen hinausläuft, gibt es im Kürtanzen
selten. Auch dieses Mal hat kein Paar im Semifinale alle sieben
Kreuze für das Finale bekommen, das man wiederum schon mit vier
Kreuzen erreichen konnte. Im Finale wurden vier Paare in der Spanne
1 bis 6 oder 2 bis 7 bewertet. Das sagt nichts über die
Qualifikation des Wertungsgerichts, sondern ist weitgehend
kürtypisch. So gesehen ist es übrigens erstaunlich, dass die WDSF,
die mit Beharrlichkeit die Aufnahme des Tanzsports in die Liste der
Wettkampfsportarten anstrebt und stets dokumentiert, dass und warum
die Wertungen auch im Tanzsport klaren Regeln folgen und deshalb
nachvollziehbar sind, sich diesen Fragen ohne Not aussetzen möchte.
- Auch bei dieser EM war zu beobachten, dass von der Möglichkeit, in
A und B unterschiedlich zu bewerten, nur sehr zurückhaltend Gebrauch
gemacht wird. Nur in 15 von 49 Fällen gibt es einen Unterschied, der
größer ist als ein Zähler. Es ist nicht sehr wahrscheinlich, dass
das die Leistungen der Paare in allen Fällen richtig beschreibt: Wer
eine im Sinne der B-Note wunderschöne Kür zeigt, muss in seinen
technischen Fähigkeiten nicht zum Spitzenfeld zählen. Wer technisch
perfekt ist, zeigt nicht zwangsläufig eine im Sinne der B-Note
schöne Kür.
- Im Tanzen ist Vieles in Bewegung. Man vergegenwärtige sich: Das
Ganze hat vor vielen Jahren damit angefangen, dass die Küren
praktisch Potpourris der fünf jeweiligen Turniertänze waren. Da
kamen Übergänge dazu und zu Beginn und am Ende ein Lift, und das war
es meist. Inzwischen ist alles anders geworden. Das fängt bei der
Musik an: Nur wenig Musik aus den insgesamt rund 42 Kürminuten wäre
in einem Lateinturnier verwendbar. Das setzt sich in der Bewegung
fort: Auch in den die Choreographien finden sich mehr und mehr
Elemente, die nicht typisches Latein- oder Standardtanzen sind.
Beides muss man nicht bedauern, sollte es aber wahrnehmen und
überlegen, ob dieser Weg gut und richtig ist. Wenn ja, müsste
allerdings auch nachgedacht werden, ob Punkt
6.3.2 der WDC Competition Rules weiterhin unverändert Bestand haben
soll. Dort ist von „regular Standard dances“ bzw. „regular
Latin-American competition dances“ die Rede, die einen Anteil von
wenigstens 75 % der Gesamtdauer haben müssen.
- Wünschenswert wäre es vielleicht auch, wenn es nicht ganz im
Verborgenen bliebe, wie einzelne Gestaltungselemente verstanden
werden sollen. Man könnte an eine kurze vom Turnierpaar zusammen mit
seinem Choreographen verfasste Erläuterung denken, die ins
Programmheft aufgenommen oder vielleicht sogar vom Turnierleiter
verlesen wird, denn die „Namen“ der Küren alleine erklären meist
nichts. Dann käme man z.B. dahinter, was mit dem Outfit und der
Dramatik von Arsen Agamalyan oder der schwarze Augenbinde von Yulia
Lesokhina, die erst ganz am Ende abgenommen wird (siehe Fotos) zum
Ausdruck gebracht werden soll. Es sei denn, der einzelne Kürtanz
soll - im Sinne des Konzepts von Umberto Eco - als “offenes
Kunstwerk“ verstanden werden, das erst im Kopf des Betrachters
vollendet wird und eben mehrere Deutungen erlaubt. Dann würde es mit
der Nachvollziehbarkeit der B-Noten natürlich noch problematischer.
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