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Trotz Eyjafjallajökull fast alle da
Im März und April hatten die Professionals des deutschen Tanzsports
einschließlich ihrer Funktionäre über Langeweile nicht zu klagen. Nach zwei
Deutschen Meisterschaften wurde die Reihe wichtiger Ereignisse auf deutschem
Boden jetzt abgeschlossen durch die Europameisterschaft über 10 Tänze, deren
Ausrichtung die ADTV-Tanzschule Tuppeck in Siegen übernommen hatte.
In der Nacht davor war man gespannt: Wie würde sich die in Island durch
einen Vulkanausbruch entstandene Aschewolke auf die Reisemöglichkeiten der
Paare und Wertungsrichter auswirken? Würde vielleicht die Meisterschaft
abgesagt werden müssen? Keine Rede davon: Viele, bei denen das halbwegs
ging, hatten sich noch zuletzt für das Auto entschieden, manche hatten
Umwege und Strapazen (10 Stunden Bahn im Stehen war der Rekord) auf sich
genommen, um den Turnierort doch noch zu erreichen. Bei 16 erschienenen von
20 ursprünglich gemeldeten Paaren war die Fehlquote dann letztlich nicht
größer als sonst auch. Bei den Wertungsrichtern musste nur ein anwesender
Lizenzträger einspringen, damit statt der geplanten neun dann doch sieben
ihres Amtes walten konnten.
Von den Vorjahresfinalisten hatten schon einige Zeit vor dem Turnier die
italienischen Geschwister Fabrizio und Lorena Cravero (damals: 6. Platz)
abgesagt, letztlich fehlten dann auch ihre Landsleute Domenico Cannizzaro /
Agnese Junkure, 2009 Europacupgewinner in der Kombination bei den Amateuren.
In diesen tanzsportpolitisch turbulenten Zeiten gibt natürlich Derartiges zu
- manchmal ja auch verfehlten - Spekulationen über die Ursachen des
Fernbleibens Anlass. Aus dem Vorjahresfinale ebenfalls nicht am Start waren
die dort Fünftplatzierten Vitalii Rudenko / Iryna Levit aus Israel, die seit
dieser EM 2009 kein Turnier mehr getanzt haben.
Neu dazugekommen waren Eldar Jafarov / Anna Sazhina, die für Aserbaidschan
tanzen. (Bei dancesportinfo werden sie Dzhafarov / Sazina geschrieben.) Sie
haben 2009 in Hong Kong in der WDC Amateur League die Weltmeisterschaft
gewonnen und zählten auch deshalb zusammen mit den Paaren, die 2009 auf die
Plätze 1 bis 4 gekommen waren, zu den Favoriten.
Die Analyse der auf der Seite „Wertungen“ wiedergegebenen Resultate zeigt:
Unsere beiden deutschen Paare haben ihre Position behauptet. Statt der
Plätze 3 und 4 mussten sie die Plätze 4 und 5 nur deshalb hinnehmen, weil
das Paar aus Aserbaidschan dazu gekommen war und Platz 3 erreicht hat. Im
internen Zweikampf hatten dieses Mal wieder Simon Reuter und Julia ein
bisschen mehr Fortune, so dass sie mit einem sehr knappen Abstand vor Boris
und Madeleine Rohne abschlossen. Auch die besondere 10-Tänze-Arithmetik
verhalf den Stuttgartern zum besseren Platz: Im internen Vergleich lagen
Boris und Madeleine in sechs Tänzen vor Simon und Julia, gerade in den 10
Tänzen kann sich aber unerwartet auswirken, ob und wie sich Paare
„dazwischen schieben“.
Diese Rechenübungen sind aber eigentlich müßig. Die letzten Turniere zeigen,
dass diese beiden Paare in der 10-Tänze-Disziplin im Grunde gleichwertig
sind, das eine hat seine besonderen Stärken in den Standardtänzen, das
andere in den Lateintänzen. Beide haben insgesamt, besonders aber in der
jeweiligen Paradesektion, ein hervorragendes Turnier getanzt, beispielsweise
haben beide auch Zweien bekommen. Ob der Rechenstift dann einmal dieses oder
einmal jenes ausrechnet, sollte die Freude gerade auch der beiden Paare
selbst nicht schmälern. Sie gehören beide der 10-Tänze-Weltspitze an.
Die beiden ersten Plätze gingen verdient an die Weltmeister und
Vizeweltmeister des letzten Jahres, auf die Plätze 6 und 7 sind die Inhaber
der Plätze 7 und 8 des Vorjahres aufgerückt.
Den Turnierbesuchern wurde ein von der ADTV-Tanzschule Tuppeck gut
organisiertes Programm geboten. Beispielsweise stellte die erfolgreiche
Standardformation des Braunschweiger TSC - sie hat die Rangliste der Saison
2009/2010 mit allen gewonnenen Turnieren auf Platz 1 abgeschlossen - eine
gute Ergänzung zum Turnierprogramm dar.
Das Reglement eines 10-Tänze-Turniers der Professionals erschließt sich dem
Zuschauer nicht so ohne weiteres: Im Grunde handelt es sich für die
Ausrechnung um 10 einzelne Turniere: Für jedes wird die Zusammensetzung der
jeweils nächsten Runde separat ermittelt, sie muss in den Semifinal- und
Finalrunden also nicht identisch sein, auch die Zahl der Paare kann
variieren. Das Gesamtergebnis entsteht dann durch eine einfache Addition der
zehn erreichten Plätze. Das Verfahren ist also fast dasselbe „wie in
Blackpool“, allerdings werden nicht wie dort die Ergebnisse der einzelnen
Tänze wie einzelne Turnierergebnisse veröffentlicht.
Irreführend ist es natürlich, wenn man in Ergebnislisten für das gesamte
Turnier zum Beispiel ein sechspaariges Finale darstellt, denn manchmal waren
auch mehr als sechs Paare in der Endrunde, auch müssen nicht alle in jedem
Finale gewesen sein. Ob der gewaltige protokollarische Mehraufwand durch
einen höheren Gerechtigkeitswert der Ergebnisse gerechtfertigt wird, darf
man bezweifeln. Auch bei einer Abwicklung nach der „Amateurmethode“ wären
mit Sicherheit dieselben Paare nach vorn gekommen. Und ob ein Paar ein
solches Turnier mit dem 12. oder dem 13. Platz abschließt, ist eigentlich
nicht einmal für das Paar selbst von besonderer Aussagekraft.
Falko Ritter
Ergebnis:
1. Roman Myrkin / Natalia Biedniagina (Ukraine) (15)
2. Alexei Zakharin / Anastasia Novozhilova (Russland) (25)
3. Eldar Jafarov / Anna Sazhina (Aserbaidschan) (31)
4. Simon Reuter / Julia Niemann (Deutschland) (43,5)
5. Boris und Madeleine Rohne (Deutschland) (45)
6. Jerney Brenholc / Daniela Pekic (Slowenien) (52,5)
7. Barry Winters / Holly Woolcott (Großbritannien) (73)
8. Michael Olesen / Katrine Bonde (Dänemark) (87)
9. Oleg Kurianov / Natalia Popova (Russland) (99,5)
10. Kiril Pandov / Sandra Gavala (Bulgarien) (100)
11. Joost Offermans / Deborah Warmer (Niederlande) (105)
12. Isao Wolvekamp / Shirley Benton (Niederlande) (117)
13. Miloslav Halienka / Monika Slysková (Slowakei) (128,5)
14. Peter Chen / Ursula Robl (Österreich) (141)
15./16. Peter Nash / Gemma Cowling (Großbritannien) (148,5)
15./16. Armin Gerstbauer / Katharina Hochwind (Österreich) (148,5)
Wertungsrichter
A Michel Aufrère (Frankreich)
B Denise Abrate (Italien)
C Jan Zwijsen (Niederlande)
D Michael Herdlitzka (Österreich)
E Oleg Kochniev (Ukraine)
F Klaus Gundlach (Deutschland)
G Kare Mortensen (Dänemark)
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