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Karabeys erstmals bei internationaler Profimeisterschaft
auf dem Bronzerang
Am 25. April wurde die Europameisterschaft der Professionals in den
Standardtänzen in Russland ausgetragen.
Ich erinnere mich noch genau an die EM 2001 in Russland: Unfreundlicher
Empfang an der Passkontrolle mit nervenaufreibenden Wartezeiten, graue und
dreckige, teils zerfallene Häuserfassaden, und stark beschädigte
Fahrbahnbeläge. Es beschlich mich damals ein ähnlich beklemmendes Gefühl wie
bei der Durchfahrt von DDR-Gebiet, wenn man nach Berlin wollte.
Heutzutage, acht Jahre später, hat sich enorm viel verändert. Die junge Dame
an der Passkontrolle lächelt mir freundlich zu, überall erstrahlen
historische Gebäude in neuem alten Glanz, und die Straßenbeläge haben
Sachsen-Niveau nur stärker frequentiert.
Sprachlos wurde ich allerdings beim Verlassen des Duty Free Shops am
Flughafen, als die Verkäufern mich mit einem „Auf Wiedersehen“
verabschiedete. Völlig perplex stammelte ich nur ein „Da“.
Im Herzen von Russland, dem Kreml, fand eingebettet in einem fantastischen
Rahmenprogramm die Europameisterschaft Standard und die russische
Lateinmeisterschaft statt.
Nach 2001 organisierte Stanislav Popov bereits zum zweiten Mail dieses
Top-Event in Moskau.
Seinem ihm voraus eilenden Ruf als erstklassiger Veranstalter und zugleich
Turnierleiter
machte er alle Ehren. Höhepunkt war seine Live-Performance von „Strangers in
the night“. Ihm gelang etwas was uns in Deutschland trotz vieler Bemühungen
noch nicht so gelingt: Das Gewinnen von finanzkräftigen Sponsoren und die
Aufmerksamkeit von vielen hochrangigen Personen aus Politik und Wirtschaft.
Tanzen ist in Russland mehr als Sport, Tanzen ist Kunst und genießt höchstes
Ansehen.
Um den EM-Titel tanzten insgesamt 30 Paare aus 21 Nationen. Unsere Vertreter
für Deutschland waren die amtierenden Vize-Europameister und Deutschen
Meister Kür Smon Reuter und Julia Niemann, sowie unsere WM und EM-Finalisten
Sascha und Natascha Karabey. Beide Paare erwischten einen hervorragenden Tag
und präsentierten sich selbstbewußt und souverän von der Vorrunde an. Leider
verpassten unsere Youngsters Simon und Julia das starke Semifinale nur um 2
Kreuze und belegten damit den Anschlussplatz. Ihr feiner eleganter Tanzstil
hebt sich besonders in der heutigen Zeit sehr angenehm von den meisten
Paaren ab, die krampfhaft versuchen mit immer noch mehr Krafteinsatz noch
einen Meter weiter zu kommen. Im direkten Vergleich mit ihrer Kürleistung
stecken in den 5 Tänzen aber noch viel mehr Ausdrucksmöglichkeiten.
Unsere Deutschen Meister Sascha und Natascha tanzten voll auf Angriff. Galt
es doch den direkten Konkurrenten aus Slowenien zu distanzieren. Die
Slowenen erwischten aber auch einen sehr guten Tag und präsentierten sich in
absoluter Topform.
Beim Vorstellungstanz der Finalpaare wählten Sascha und Natascha als Intro
ein paar Takte Basic in denen der bis dahin wunderschöne Schwung plötzlich
erstarrte. Die Slowenen tanzten hingegen völlig befreit ihre Routine. Damit
war die Entscheidung zumindest für die meisten Wertungsrichter für den
Walzer gefallen. Der Tango ging ebenfalls an die Slowenen. Dann kam der
Paradetanz unserer Meister. Mit dem besten technischen Bewegungsablauf in
diesem Finale hätten sie eigentlich mehr Einsen im WW erhalten müssen.
Wichtig war aber erstmal die Verkürzung des Abstandes auf den Slowenen. Mit
ihrem weich fließenden Foxtrott konnten sie den Rückstand egalisieren. Der
letzte Tanz musste die Entscheidung bringen. Mit einem fulminanten Quickstep
verwiesen sie ihren Konkurrenten auf den 4. Platz.
Neuer Europameister wurden die Engländer Jonathan Wilkins/Hazel Newberry vor
den Italienern Domenico Soale/Gioia Cerasoli.
Finale:
1. Jonathan Wilkins / Hazel Newberry (Großbritannien)
2. Domenico Soale / Gioia Cerasoli (Italien)
3. Sascha und Natascha Karabey (Deutschland)
4. Domen Krapez / Monica Nigro (Slowenien)
5. Evgenij Kazmirchuk / Julia Spesivtseva (Russland)
6. Sergey Mikheev / Natalya Chizhova (Russland)
13. Simon Reuter / Julia Niemann
Heiko Kleibrink
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