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Ich gebe ja zu: Jedes Jahr steht hier, dass die GOC wieder ein voller Erfolg
für den DPV waren. Aber es ist ja auch jedes Jahr die reine Wahrheit.
Natürlich kann man nicht damit rechnen, dass lückenlos alle DPV-Paare nach
Stuttgart fahren, so gesehen war die Zahl der deutschen Teilnehmer
ordentlich bis erfreulich. Auch die Erfolge können sich sehen lassen. Doch
der Reihe nach:
Dienstag, 18. August - WDC World Series Standard
40 Paare (2008: 38), davon 10 deutsche
4 Runden (40 - 24 - 13 - 6)
Finale:
1. Mirko Gozzoli / Alessia Betti (Italien)
2. Sascha und Natascha Karabey (Deutschland)
3. Paolo Bosco / Silvia Pitton (Italien)
4. Angelo Madonia / Edita Daniute (Litauen)
5. Evgeny Kazmirchuk / Julia Spesivtseva (Russland)
6. Gherman Mustuc / Iveta Lukosiute (USA)
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In den Standardtänzen haben Sascha und Natascha
Karabey ihre internationale Position nicht nur behauptet, sondern
noch ausgebaut. Sie stießen auf stärkste Konkurrenz, u.a. in Gestalt
der mehrmaligen Amateur- und Profiweltmeister Mirko Gozzoli /
Alessia Betti und der Amateurweltmeister 2006 bis 2008 Paolo Bosco /
Silvia Pitton. Aber sie tanzten von der ersten Runde an auf Angriff
und stellten einen guten Kontakt zum Publikum her. Zweite Plätze in
allen fünf Tänzen einschließlich Tango und Quickstep, die bisher
nicht als ihre Domäne galten, und auch in der Schlussabrechnung
waren der verdiente Lohn. Fünf Einsen waren übrigens auch dabei.
Als neues Standardpaar im Profilager machten Rüdiger Homm und
Viktorija Triscuka auf sich aufmerksam. Rüdiger, im DTV noch bestens
bekannt aus erfolgreichen Jahren vor allem mit Julia Belch, ist
jetzt wie seine neue Partnerin Tanzsporttrainer bei Augusto Schiavo
in Italien. Sie kamen auf Platz 14 und haben damit den Einzug ins
Semifinale nur knapp verfehlt. |
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Verdienter 2. Platz
im WDC World Series Turnier Standard:
Sascha und Natascha Karabey |
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Ebenfalls eine Runde weiter und
allesamt auf Plätze praktisch der oberen Hälfte kamen:
16.-18. Simon Reuter / Julia Niemann
16.-18. Michael Sörensen / Miriam Blume
22. Volker Schmidt / Ellen Jonas
Michael Sörensen und Miriam Blume haben, verglichen mit manchen früheren
Turnieren durch eine sehr gute Leistung über beide Runden auf sich
aufmerksam gemacht.
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Mittwoch, 19. August - Rising Stars Standard
21 Paare (2008: 24)
3 Runden (21 - 12 - 6)
Rüdiger Homm und Viktorija Triscuka, die schon am Vorabend mit dem
Semifinalanschlussplatz gut abgeschnitten hatten, kamen ins Finale, hatten
es dort insbesondere gegen das japanische Paar, das sehr gut gefallen
konnte, nicht leicht, machten den deutschen Zuschauern aber die Freude,
wieder einmal die eigene Nationalhymne hören zu können.
Rüdiger und Viktorija tanzen erst seit kurzer Zeit zusammen,
erfreulicherweise für Deutschland. Rüdiger hat im Turnier Nerven wie
Drahtseile, kleine Unstimmigkeiten übergeht er mit Gelassenheit, stets hat
er den Überblick über die Fläche. Kurzum ein Paar, an dem wir noch unsere
Freude haben werden.
Finale:
1. Rüdiger Homm / Viktorija Triscuka (Deutschland)
2. Hisashi Kawahara / Izumi Arai (Japan)
3. Daniele Gallaro / Kimberly Taylor (Großbritannien)
4. Blaz Pocajt / Katrina Patchett (Slowenien)
5. Lucasz und Aneta Pawlak (Polen)
6. Kristjan Kuusk / Anri Kokkonen (Finnland)
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Donnerstag, 20. August - Rising Stars Latein
38 Paare (2008: 39)
4 Runden (38 - 25 - 14 - 6)
Auch im Lateinturnier der Rising Stars verlief das Finale nicht ohne
deutsche Beteiligung. Dafür sorgten Anton Ganopolsky und Natalija
Magdalinova. Sie mussten lediglich dem früher als Amateur für Deutschland
tanzenden Andrej Mosejcuk, der jetzt mit Kamila Kajak für Polen an den Start
geht, den Vortritt lassen.
Das Semifinale haben in diesem Turnier Jürgen Schlegel und Melissa
Ortiz-Gomez erreicht. Beide haben schon mit anderen Partnern getanzt:
Jürgen war mit Ksenija Gorenc früher bei den Amateuren und dann auch einige
Zeit bei den Professionals erfolgreich, Melissa kam mit Dennis Tischmacher
im letzten Jahr bei den Rising Stars Latein auf Platz 3.
Finale:
1. Andrej Mosejcuk / Kamila Kajak (Polen)
2. Anton Ganopolsky / Nataliya Magdalinova (Deutschland)
3. Aleksandr Skarlato / Yulia Lesokhina (Russland)
4. Bruno Tomás / Joanna Santos (Portugal)
5. Katsuya Tateishi / Hiromi Tateishi (Japan)
6. Mitko Dimitrov / Pelagia Kalyva (Griechenland)
Semifinale:
11. Jürgen Schlegel und Melissa Ortiz-Gomez
Eine Runde weiter waren gekommen:
17. Rudi Grabon / Irene Moser
21. Sven Bikek / Valentina Ershova
24. Sergey Oladyshkin / Anastasia Weber
Rudi Grabon und Irene Moser hatten verletzungsbedingt längere Zeit pausiert
und sich jetzt mit guter Leistung zurückgemeldet. Die beiden anderen Paare
haben für den DPV ihr erstes Turnier getanzt.
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Freitag, 21. August - WDC World Series Latein
58 Paare (2008: 48)
5 Runden (58 – 36 – 25 – 15 – 5)
Unbestritten einer der absoluten Höhepunkte der GOC ist das Profiturnier
World Series Latein. Obwohl es mehrere Absagen gab, war es mit 58 Paaren
doch noch sehr gut besetzt. Für das mit 15 Paaren durchgeführte Semifinale
haben sich sage und schreibe vier deutsche Paare qualifiziert. Mit Platz 12
erzielten Anton Ganopolsky und Natalija Magdalinova ein hervorragendes
Ergebnis, das ihnen nicht zu Unrecht noch mehr bedeutete als die Tags zuvor
ertanzte Silbermedaille bei den Rising Stars. Mit einer großartigen Leistung
und dem Finalanschlussplatz 7 haben sich Jesper Birkehoj und Anna Kravchenko
wohl endgültig im vorderen Teil des internationalen Lateinfeldes etabliert.
Jesper macht es Freude, nicht weiterhin einen Meistertitel verteidigen zu
müssen, sondern gegen neue Gegner auf Angriff zu tanzen, was ihm offenbar
liegt.
Zwei weitere Paare tanzen sich ins Finale. Markus Homm, Bruder des
Standardtänzers Rüdiger, zählt zusammen mit seiner Partnerin Ksenia Kasper
seit seiner diesjährigen Finalteilnahme in Blackpool zur Weltspitze und hat
mit Platz 4 die in ihn gesetzten Erwartungen voll erfüllt.
Über die GOC-Teilnahme von Franco Formica und Oxana Lebedev, die im letzten
Jahr in Stuttgart nicht am Start waren, hat sich das Publikum gefreut und
hat das auch mit viel Applaus bekundet. Viele hatten gehofft, dass es vor
heimischem Publikum zu einem Zweikampf mit Riccardo Cocchi / Yulia
Zargouychenko kommen würde, denn nur noch dieses Paar und die Weltmeister
Malitowski / Leunis liegen derzeit auf der Weltrangliste vor den Deutschen.
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Franco und Oksana wurden denn auch von zwei
Wertungsrichtern auf den ersten Platz gesetzt, aber die große
Mehrheit der Wertungsrichter wollte es anders. Sie mussten sogar
noch, was bei den Zuschauern durchaus nicht auf einhellige
Zustimmung stieß, die Russen Sergey Surkov / Melia in vier Tänzen an
sich vorbeilassen. Dieser schon Monate währende Zweikampf macht die
Sache im vordersten Teil des internationalen Feldes spannend.
Zuletzt, nämlich bei der Europameisterschaft in Aarhus und in
Blackpool lagen Franco und Oxana vorn, dass es gerade in Deutschland
bei den GOC anders ausging war bedauerlich und für viele auch nicht
nachvollziehbar. Eng genug war es: Bei den Wertungen 1 bis 2 haben
zwar die Russen leicht besser (32:27) abgeschnitten, schon wenige
anders vergebene Zweien hätten das Ergebnis also umgedreht,
andererseits wurden für Franco und Oxana immerhin elf Einsen
gegeben, für die Russen nur vier. Schade war es übrigens, dass sich
Riccardo Cocchi wiederholt dazu hinreißen ließ, Franco Formica auf
der Fläche erkennbar absichtlich zu behindern. Ein Lateintänzer von
Weltformat sollte Derartiges nicht nötig haben. |
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Knapp
Silber verfehlt:
Franco Formica und Oxana Lebedev |
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Evgenij Voznyuk und Oksana Nikiforova
standen zwar auf der Startliste, waren auch am Mittwoch in Stuttgart zu
sehen, haben sich dann aber doch zu einer Absage entschlossen, weil sie für
ihre neuen Programme doch noch etwas mehr Zeit brauchen.
Finale:
1. Riccardo Cocchi / Yulia Zargouychenko (USA)
2. Sergey Surkov / Melia (Russland)
3. Franco Formica / Oxana Lebedev (Deutschland)
4. Markus Homm / Ksenia Kasper (Deutschland)
5. Emanuele Soldi / Elisa Nasato (Italien)
6. Rachid Malki / Anna Suprun (Norwegen)
im Semifinale:
7. Jesper Birkehoj / Anna Kravchenko
12. Anton Ganopolsky / Nataliya Magdalinova
Insgesamt hat der DPV mit seiner Medaillenausbeute innerhalb der deutschen
Teilnehmer ein überdurchschnittlich gutes Ergebnis erzielt: Von acht Gold-,
sechs Silber- und fünf
Bronzemedaillen (bei insgesamt 33 Wettkämpfen) für deutsche Teilnehmer gehen
alleine eine goldene, zwei silberne und eine bronzene auf das Konto des DPV
(bei vier Wettkämpfen). Insgesamt belegte Deutschland im Medaillenspiegel -
wie im Vorjahr - hinter Russland Rang 2.
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Wertungsrichter:
Bryan Allan (Großbritannien), René Barsi (Frankreich), Karl Breuer
(Deutschland), Donnie Burns MBE (Schottland), Nicole Burns-Hansen
(Schottland), Gaynor Fairweather MBE (Großbritannien), Alan Fletcher
(Großbritannien), Massimo Giorgianni (Italien), Patrick Johnson (USA), Ralf
Lepehne (Deutschland), Stanislav Popov (Russland)
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Einige persönliche Anmerkungen:
Nicht speziell auf die vier Profiturniere, sondern auf die gesamten GOC
bezogen muss man feststellen, dass das Publikum sehr begeisterungsfähig ist.
An Standing Ovations, früher nur ganz außergewöhnlichen Leistungen
vorbehalten, wird eigentlich nicht gespart, diese besondere Form der Ehrung
wird dadurch fast ein wenig entwertet, aber letztlich lässt sich natürlich
nichts dagegen sagen. Die Begeisterung - nicht ausnahmlos aller, aber von
der Geräuschkulisse her gesehen doch sehr vieler - gilt aber auch oft dem
Klamauk. Das Publikum, das bei einer Rückwärtigen Welle applaudiert, ist das
nicht. Oliver Wessel-Therhorn hat über dieses Problem einen Kommentar
geschrieben (siehe weiter unten).
Es scheint auch einen Sympathiebonus für ausländische Paare zu geben.
Natürlich soll in einem guten Gastgeberland einem Paar einer anderen Nation
der gebührende Applaus nicht versagt bleiben. Wer aber hin und wieder mit
deutschen Paaren im Ausland ist, weiß: Da geht es ein bisschen anders zu. So
entsteht dann eine Schieflage.
Der Verzicht auf die offene Wertung ist ein Manko. Das Publikum will
mehrheitlich die offene Wertung. Wenn es im Finale eng wird, tobt der Saal.
Man stelle sich vor, bei den gleichzeitig in Berlin stattfindenden
Leichtathletik-Weltmeisterschaften würden beim Stabhochsprung die erreichten
Höhen nicht angezeigt. Das Publikum würde sein Geld zurückfordern, und das
mit Recht.
In der Aufarbeitung der GOC in Internetforen u.ä. tritt immer stärker eine
Betrachtungsweise zutage, die nicht sachgerecht ist: „Das Paar XY habe ich
schon besser gesehen.“ Das ist dann falsch, wenn es auf die Wertung des
konkreten Turniers bezogen wird: Es gibt keinen Bonus dafür, dass man besser
war als bisher, es gibt keinen Malus, wenn man nicht so gut war als bisher.
Der Vergleich mit den anderen Paaren zählt, nicht der „mit sich selbst
früher“.
Falko Ritter
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Tanzsport – Quo Vadis?
Es hätte ja ein schöner
tanzsportlicher Abend werden können am Dienstag bei der GOC 2009. Es
waren sehr gute Paare am Start, der Tanzsportfan kam also auf seine
Kosten. Warum ist dieser Dienstagabend dann immer dem ein oder
anderen Paar Anlass für einen billigen Zirkus?
Was war passiert? Offensichtlich reichte zwei Paaren der Applaus,
der vom Publikum gespendet wurde, nicht aus. Also folgte der
verbreitete Griff in die Unratskiste. Während des Quicksteps der
24er- Runde lösten diese zwei Paare ihre Tanzhaltung, rannten
umeinander herum (kennen wir alle: dreh’ Dich nicht um, denn der
Plumpssack geht herum) um einige Sekunden später ihren Quickstep
fortzusetzen.
Nun kennen wir alle derartige GOC-Momente, die aus Notsituationen
entstehen können. Schon bei gewagten Ausweichmanövern sind hier
besondere, teils auch ungewöhnliche oder auch komische Momente
entstanden. Originalität ist hier oft an der Tagesordnung. Hier gab
es diese Notsituation aber gar nicht. Hier ging es lediglich darum,
den Tanz zu unterbrechen, um eine gar nicht mal so gute Zirkusnummer
vorzuführen. Die Paare lagen mit ihrer Vermutung richtig: Das
GOC-Publikum oder zumindest Teile davon begannen zu lachen und zu
schreien. Bingo! Das spornte unsere zwei Top-Paare an und sie ließen
es sich nicht nehmen, sich noch ein zweites Mal auf dieses Niveau
herabzulassen und auch hier ließ sie das Publikum nicht im Stich.
Dieselben Paare würden derartige Billigeinlagen in England oder auch
in anderen Teilen der Welt niemals bringen. Sind wir in Deutschland
als Publikum so anspruchslos oder so leicht zu blenden? Verstehen
wir wirklich so wenig von Qualität, dass wir in Bewegung umgesetzte
Dummheit bejubeln? Eines der beiden Paare registrierte, Gottseidank,
sofort, dass dies kaum ein vorbildliches Verhalten eines Champions
ist und entschädigte im Semifinale mit einem Basic Quickstep. Das
Wertungsgericht ließ sich zum Wohle des Tanzsports von dem Vorfall
nicht einfangen und blieb der Aufgabe treu, die Qualität der Paare
sachlich miteinander zu vergleichen und nicht nur auf die Lautstärke
des Publikums zu reagieren.
In derselben Woche konnten wir dasselbe Phänomen im Finale des Grand
Slam Turniers erleben. Teilweise stehende Ovationen für ein Paar,
das mit hoher Geschwindigkeit seinen Solo Quickstep vorführte: so
hoch, das es diese Geschwindigkeit nicht im Griff hatte und so hoch,
dass das Orchester mit diesem Paar nicht mithalten konnte!!
Teilweise wirkte es, als ob ein Papagei sich in einen Ventilator
verflogen hätte. Aber auch das war eine
Billigvorstellung, die von Teilen des Publikums mit demselben
Theater begleitet wurde.
Hoffen wir zur Erhaltung unseres Sports immer und überall auf weise
Wertungsgerichte, die sich nicht zu Handlangern der
Schmierenkomödianten machen lassen.
Oliver Wessel-Therhorn |
Vollständige Ergebnisse:
http://www.goc-stuttgart.de/start.html
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