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Dass mit des Geschickes Mächten kein ew'ger Bund zu flechten ist, hat sich
in Troisdorf wieder einmal bestätigt: Zu dem für die Deutsche Meisterschaft
über 10 Tänze angekündigten Zweikampf zwischen Boris und Madeleine Rohne
(Leipzig) sowie Simon Reuter und Julia Niemann (Stuttgart) kam es nicht.
Julia war erkrankt und musste sich abmelden. Wegen einer weiteren Absage
waren es letztlich nur drei Paare, die sozusagen die Schnittmenge der
Startlisten des Latein- und des Standardturniers bildeten und aus denen das
Deutsche Meisterpaar 2009 zu küren war.
Kleine Startfelder sind bei nationalen 10-Tänze-Turnieren der Professionals
keine Seltenheit, das ist übrigens nicht nur in Deutschland so. Stehen nur
sehr wenige Paare zur Verfügung, ist es eigentlich zu riskant, ein solches
Turnier zum Hauptprogrammpunkt einer Veranstaltung zu machen. Mit jeder
weiteren Absage wird das Turnier auch für das (zahlende) Publikum weniger
attraktiv, nicht unbedingt qualitativ, aber jedenfalls quantitativ. Dieses
Veranstalterproblem kommt der Quadratur des Kreises nahe, eine optimale
Lösung, die allen Gesichtspunkten Rechnung trägt, gibt es nicht. Der DPV
möchte die Nominierung zu internationalen 10-Tänze-Meisterschaften nicht
einfach mithilfe der zurückliegenden Ergebnisse von Standard- und
Lateinturnieren bestimmen, sondern einerseits an der Tradition der
10-Tänze-Turniere festhalten, andererseits aber auch dem Interesse des
Publikums an einem reichhaltigen Programm mit einer gewissen Fülle entgegen
kommen. Das legt den auch hier praktizierten besonderen Durchführungsmodus
nahe, der für das Publikum allerdings erklärungsbedürftig ist: Ein Turnier
in Standard, eines in Latein, die Kombinierer bestreiten beide, ihre interne
Relation wird errechnet. Dabei ist es – wie in anderen Sportarten –
eigentlich die Regel, dass in den Einzelturnieren die Spezialisten vorn
liegen. Man muss in den Archiven bis 1990 zurück gehen, bis man auf Michael
Hull und Patsy Hull-Krogull stößt, die in diesem Jahr Deutsche Meister in
Standard und den 10 Tänzen waren.
„Bei
der Tanz-Gala in Troisdorf beweisen die Allrounder, dass sie mit den
Spezialisten mithalten können“, so lautet der Untertitel des von Bernd Koch
für den in Bonn erscheinenden General-Anzeiger geschriebenen Artikels. So
war es in der Tat: Boris und Madeleine Rohne (Foto links),
Vizemeister des Vorjahres und nach Rückzug von Sergey Diemke und Katerina
Timofeeva aus dem Turniergeschehen die Anwärter auf die Nachfolge in den
Meisterehren, kamen in beiden Einzeldisziplinen ins Finale und sorgten mit
der Platzziffer 10 für ein klares Ergebnis. Ebenfalls doppelte Finalisten
wurden die Profineulinge Jurij und Aleksandra Kaiser aus Hamburg, die mit
Platzziffer 20 abschlossen.
Im Standardturnier brachten Sascha und Natascha Karabey nicht nur die
attraktivsten Vorergebnisse mit, sie sind derzeit einfach „eine Klasse für
sich“, für sie kamen nur Einsen in Betracht. Ein starkes Paar an der Spitze
ist für die Verfolger gut, das Vorbild spornt an und lässt den
Trainingsfleiß nicht erlahmen. So ist das sicher auch bei Rüdiger Homm und
Viktorija Triscuka, die als offiziellen Wohnsitz Nürnberg angeben, aber
beide beruflich bei einem Tanzsporttrainer in Norditalien tätig sind. Sie
haben sich an der Spitze gut eingerichtet und erhielten alle Zweien. Ihr Weg
im Profilager hat sicher erst begonnen.
Gar nicht so klar war die Vergabe der Plätze drei bis fünf, in dieser
Kategorie war oft eine einzige Wertung für den Platz ausschlaggebend.
Michael Sörensen und Miriam Blume aus Augsburg konnten ihre erfreuliche
Erfolgsserie der letzten Zeit nicht fortsetzen und mussten mit dem 5. Platz
vorlieb nehmen. Der Leipziger Zweikampf zwischen Oliver Thalheim / Tina
Spiesbach und Boris und Madeleine Rohne ging zugunsten der erstgenannten
aus. Oliver und Tina hatten wohl in der zurückliegenden Zeit in der
Körperspannung des Guten etwas zu viel getan, haben offenbar an dieser Sache
gearbeitet und konnten gut gefallen.
Im Lateinturnier stellte sich die Situation ähnlich dar wie in Standard:
Jurij und Aleksandra Kaiser kamen hier rechnerisch ebenso wie in Standard
auf Platz sechs, konnten aber in den Kampf um die besseren Plätze
nachhaltiger eingreifen als im ersten Turnier. An der Spitze lagen auch hier
zwei Paare, die dem Wertungsgericht die Arbeit leicht gemacht haben:
Souveräne Sieger wurden Markus Homm und Ksenia Kasper, ebenfalls für
Nürnberg gemeldet, aber weltweit tätig. Gut Paare sind solche, die nicht nur
durch ihre technische Qualität beeindrucken, sondern die man vor allem an
ihrer unverwechselbaren Bewegungscharakteristik erkennt. Wenn diese
Behauptung zutrifft, sind Markus und Ksenia auf dem richtigen Weg nach ganz
oben. Jesper Birkehoj und Anastasiya (Anna) Kravchenko (Karlsruhe) hat der
Wechsel zu den Profis und damit zu einem neuen Kreis von Konkurrenten
sichtlich gut getan. Tanzen macht ihnen offenbar wieder große Freude.

Siegerehrung DM 10 Tänze
Auch in diesem Turnier wurde um die Plätze
3 bis 5 gekämpft. Für Boris und Madeleine war der 5. Platz sicher der
ungünstigste aller denkbaren Möglichkeiten.
Den Zweikampf um Platz 3 konnten die stark verbesserten Stefan Erdman /
Sarah Latton für sich entscheiden, Jürgen Schlegel wollte offenbar den
greifbaren dritten Platz erzwingen und hat ihn auch gerade deshalb nicht
erreicht.
Erstmals wurde eine Neuerung erprobt, auch in ihrer Wirkung auf das
Publikum: In einem Tanz im Semifinale – er wird vom Sportwart vorher
festgelegt – sind nur basics erlaubt. Es hatte nicht den Anschein, als
fühlten sich die Paare dadurch eingeschränkt, und das Publikum war gerade
von diesen Leistungen besonders beeindruckt.
Die tanzsportlichen Veranstaltungen im Bürgerhaus Troisdorf haben Tradition.
Die ausrichtende ADTV-Tanzschule Breuer kann sich auf ihr Stammpublikum
verlassen, der Saal ist fast immer ausverkauft. Für das Gelingen des Abends
ist auch die temperamentvolle und informative Turnierleitung von Matthias
Fronhoff stets ein wichtiger Beitrag.
Hier noch einmal die Finalergebnisse, dieses mal mit Platzziffern:
Standard:
1. Sascha und Natascha Karabey (Bad Homburg) (5)
2. Rüdiger Homm / Viktorija Triscuka (Nürnberg) (10)
3. Oliver Thalheim / Tina Spiesbach (Leipzig) (16)
4. Boris und Madeleine Rohne (Leipzig) (19)
5. Michael Sörensen / Miriam Blume (Augsburg) (25)
6. Jurij und Aleksandra Kaiser (Hamburg) (30)
Latein:
1. Markus Homm / Ksenia Kasper (Nürnberg) (5)
2. Jesper Birkehoj / Anastasiya Kravchenko (Karlsruhe) (10)
3. Stefan Erdmann / Sarah Latton (Köln) (16)
4. Jürgen Schlegel / Melissa Ortiz-Gomez (Freiburg) (19)
5. Boris und Madeleine Rohne (Leipzig) (25)
6. Jurij und Aleksandra Kaiser (Hamburg) (30)
Wertungsrichter:
Bernd Bork (Witten), Oliver Kästle (Köln), Elke Maibauer (Speyer), Oliver
Seefeldt (Berlin), Daniela Seidel (Engen), Alexander Cristian (Oberried),
Oliver Wessel-Therhorn (Stessen)
Falko Ritter
Die Fotos hat uns dankenswerterweise von Volker Hey,
www.sports-picture.net zur Verfügung gestellt.
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