Bericht über die Ranglistenturniere "German Classics - German Latin" am 9. Dezember 2006 in Balingen


Die Stadthalle Balingen feiert in diesem Jahr ihr 25jähriges Bestehen. Von Anfang an, also seit einem Vierteljahrhundert, hat auch Horst Walter, weit über die Grenzen der Stadt Balingen und ihres Umlandes hinaus bekannter Tanzschulinhaber, diese schöne festliche Halle für die Durchführung seiner Veranstaltungen genutzt. Das waren oft Abschlussbälle, seit Jahren sind es aber auch große Tanzturniere, deren Ausrichtung ihm vom Deutschen Professional Tanzsportverband e.V. übertragen worden war.

Nicht ohne Grund geschah das immer wieder: Die Tanzturniere in Balingen zeichnen sich durch ein besonderes und persönliches Flair aus, für das vor allem Horst Walter selbst verantwortlich zeichnet. Da wird nicht lediglich ein Wettkampf nach Regeln einer Sportordnung abgewickelt, nein, der Abend wird zu einem stimmungsvollen Treffen von Tanzsportfreunden, die sich vom Turniertanz begeistern lassen, aber auch die Möglichkeit, ausgiebig selbst zu tanzen, nicht missen möchten. Für viele hat das Turnier in Balingen einen festen Platz im jährlichen Kalender.

Etwas betrüblich war es deshalb, dass Horst Walter dieses Mal einige Absagen hinnehmen musste, grippale Infekte und andere zunächst nicht vorhersehbare Ereignisse waren der Grund. Das tat dem Gelingen der Veranstaltung jedoch keinen Abbruch. Die beiden letzten Ranglistenturniere  des DPV im Jahr 2006 standen auf den Programm. Dass nach dem Reglement auch die Kür einbezogen ist, hat trotz nicht sehr großer Teilnehmerzahlen für einen eindrucksvollen Programmablauf gesorgt.

In den Standardtänzen standen die Deutschen Meister Marcus Weiß / Isabel Edvardsson und die zweiten der letzten Deutschen Kürmeisterschaft, Volker Schmidt / Ellen Jonas nicht zur Verfügung: Sie haben an diesem Wochenende in Ermelo in den Niederlanden die deutschen Farben bei der Weltmeisterschaft in der Standardkür vertreten.  Alle fünf Tänze plus Kür gingen in dieser Sektion recht klar an Sergej Diemke und Katerina Timofeeva aus Berlin, die in den fünf Tänzen nur vier Einsen abgeben mussten und auch in ihrer Kür „Kuss eines Vampirs“ Spitzenwertungen (drei Mal die 6,0 in der B-Note) verbuchen konnten. Der Kampf um den zweiten Platz gestaltete sich recht spannend: Neben den deutschen Ranglistenpaaren waren auch   - nicht zum ersten Mal in Balingen - Berry Winter und Petra Bishop-Winter aus Großbritannien am Start, die dem Turnier ein wenig internationales Flair verliehen. Sie machten es den überzeugend tanzenden Michael Sörensen / Miriam Blume nicht leicht, die sich aber gleichwohl nach fünf Tänzen mit 3:2 gegen ihre Gegner von der Insel durchsetzen konnten. Sie überzeugen insbesondere in den Schwungtänzen mit guten Balancen und hoher Musikalität. Nur zwei Einsen insgesamt sind da eine ein bisschen magere Ausbeute. Entscheidend war dann die Kür: Michaels und Miriams Kürmusik war nicht zur Hand, die beiden mussten notgedrungen etwas anderes tanzen, nämlich zur Musik der – übrigens sehr guten – Tom Lehner Band einen Langsamen Walzer, einen bemerkenswert schönen langsamen Walzer, mit dem aber unter dem Aspekt „Kür“ gegen den pfiffig choreographierten und ansprechend dargebotenen „Tango total“ der Engländer nicht zu gewinnen war. Drei zu drei, da mussten die Skatingregeln herhalten. Regel 11 sprach sich gegen das deutsche Paar aus. Was lernen wir daraus? Vergiss nie Deine Kürmusik zuhause.

Mit Spannung sahen die Insider dem Lateinturnier entgegen. In Innsbruck hatten vor zwei Wochen Sergej Diemke und Katerina Timofeeva das Finale erreicht, Martin Schurz und Sofia Bogdanova waren allerdings schon im Viertelfinale ausgeschieden. Diese Scharte wollten Martin und Sofia auswetzen. Es ist ihnen gelungen: In fünf Tänzen mussten sie nur fünf Einsen an Sergej und Katerina abgeben, damit war das Turnier im Grunde schon gewonnen. Auch in ihrer anspruchsvollen Kür „Hummelflug“ (hohe Schwierigkeitsgrade, viele Tanz- und folglich Tempowechsel, die sie musikalisch einwandfrei beherrschten) erhielten sie drei Mal die Bestwertung 6,0. Noch etwas besser kamen aber Sergej und Katerina mit ihrer Kür „Yes Sir“ weg.  Sie spielten ihre Stärken in der attraktiven Präsentation von Showelementen voll aus konnten die Kür für sich entscheiden. Fazit insgesamt: Nicht nur von den Treppchenpaaren der letzten Deutschen Meisterschaft wird ein hervorragendes Latein getanzt.

Falko Ritter