Deutsche Meisterschaft Latein 12. April 2008 Troisdorf

Wachablösung an der Lateinspitze Selten war man so gespannt auf eine Deutsche Meisterschaft. Gewiss, immer gibt es ein Kommen und Gehen, immer verbessern sich einige Paare, während andere Paare auf ihrem Niveau bleiben. Vor der Deutschen Meisterschaft in den lateinamerikanischen Tänzen, die am 12. April im Bürgerhaus in Troisdorf ausgetragen wurde, hatte die Veränderung des Feldes aber eine andere Qualität: Von den Finalisten des Jahres 2007 waren nur noch drei am Start. Die achtmaligen Deutschen, Europa- und Weltmeister Bryan Watson und Carmen Vincelj haben sich ja bekanntlich im letzten Jahr aus dem Turniergeschehen zurückgezogen. Markus Homm hat mittlerweile in Ksenia Kasper eine neue Partnerin gefunden, mit ihr will er erstmals in Blackpool an den Start gehen. Sergej Diemke und Katerina Timofeeva bereiten sich intensiv auf die Weltmeisterschaft 10 Tänze vor, die im Mai in Siegen stattfindet, und sind deshalb nicht angetreten. Es war also nicht nur der Meistertitel neu zu vergeben, auch weitere Finalplätze waren, rechnerisch gesehen, freigeworden. Umgekehrt hatte sich die Lateintruppe des DPV in den vergangenen Monaten durch den Wechsel mehrerer Paare vom Amateur- ins Profilager verstärkt. So kam es, dass sechs der 14 angetretenen Paare bei der Deutschen Meisterschaft 2007 noch nicht dabei gewesen waren. „Ich bin froh, dass ich dieses Turnier nicht werten muss“, soll in den letzten Wochen von manch einem erleichtert geäußert worden sein. In der Tat: Wer die beiden „Lateinszenen“ kennt, die der Amateure und die der Professionals, kann sich eigentlich immer ein Bild machen, wie Turniere - bei unveränderten Leistungen - in dem einen oder dem anderen Lager ausgehen könnten: Man hat die Paare ja schon etliche Male nebeneinander gesehen. Anders hier: Diese sechs plus acht sind, außer vielleicht vor Jahren, als sie allesamt noch Amateure waren, noch nicht gegeneinander angetreten. Vorerfahrungen, wie das nebeneinander aussieht, gab es also nicht. Wertungsgerichte werden von Turnierleitern gerne und fast immer als hochkarätig bezeichnet. Dieses war es in der Tat, die Liste beweist es. Es kam zu Ergebnissen, über die das eine oder andere Paar vielleicht nicht glücklich war, weil es eine „numerische“ Platzverschlechterung hinnehmen musste. Aber der Vorgang des Einfädelns - ähnlich wie auf der Autobahn, wenn eine Spur wegfällt - hat letztlich gut funktioniert. Die sechs „Neuen“ fanden sich in der Ergebnisliste einigermaßen gleichmäßig auf das ganze Feld verteilt, und die vom Wertungsgericht für dieses Turnier entschiedene Reihenfolge traf wohl allgemein auf Akzeptanz. Sieht man einmal von den beiden ersten Plätzen ab, auf denen in allen Prognosen die beiden dreimaligen Amateur-Weltmeister Franco Formica und Oksana Nikiforova, allerdings jeweils mit neuen Partnern, gesehen wurden, dann würden die verbleibenden vier Plätze nicht ausreichen können, alle nicht nur subjektiv verständlichen, sondern auch objektiv berechtigten Hoffnungen auf eine Finalteilnahme zu erfüllen. Die unten wiedergegebene Tabelle zeigt es: In den Wertungen des Semifinales ist ein deutlicherer Abstand (von 21 Punkten) erst nach dem achtplatzierten Paar festzustellen. Diese Achtplatzierten waren Boris Rohne und Madeleine Epler. Sie waren von 2004 bis 2007 ohne Unterbrechung im Finale, haben sich nicht verschlechtert und in Troisdorf ein gutes Turnier getanzt. Aber es haben sich leistungsstarke aus dem Amateurlager kommende Paare dazwischen geschoben. Wer sich über die zahlreichen Neuzugänge freut, und natürlich ist darüber Freude angebracht, muss auch sehen, dass bei einigen Paaren eine numerische Verschlechterung des Platzes die zwangsläufige Folge sein musste, obwohl sie durchaus nicht durch eine Verschlechterung der Leistung ausgelöst war. Dass diese Zusammenhänge erkannt sind, mag Boris und Madeleine ein wenig trösten. Vor Boris und Madeleine zwei „Neue“, fast punktgleich, beide aus Freiburg: Dennis Tischmacher mit Melissa Ortiz-Gomez und Jürgen Schlegel mit Ksenija Gorenc. Das Wertungsgericht hatte Dennis und Melissa ein einziges Pünktchen mehr zugedacht als ihren südbadischen Sportsfreunden. Für Dennis und Melissa hat es noch fürs Finale gereicht, Jürgen und Ksenija mussten draußen bleiben. Die Turnier- und Sportordnung ist da - in 16.3.2 - unerbittlich: „Die 6 Paare mit der höchsten Gesamtpunktzahl qualifizieren sich für das Finale“. Auf Platz fünf mit guter Leistung die Kölner Stefan Erdmann und Sarah Latton. Um Platz 3 kämpften Martin Schurz und Sofia Bogdanova und die Neulinge Anton Ganopolskyy und Nataliya Magdalinova. Im Semifinale hatten die Ludwigshafener noch die Nase vorn, sie mussten sich aber den Bonnern im Finale recht deutlich geschlagen geben. Herausragende Leistungen zeigten die beiden, die gemeinsam für einige Jahre weltweit die Lateinszene der Amateure beherrscht haben: Franco Formica und Oksana Nikiforova, er nunmehr mit Oxana Lebedew, sie mit Evgenij Voznyuk. Die Einsen gingen (bis auf einige wenige) an Franco und Oxana (mit x), die Zweien und einige Einsen an Evgenij und Oksana (mit ks). Um die künftige internationale Repräsentanz des deutschen Profitanzsports muss einem nicht bange sein: Außer den beiden ganz vorne, die schon jetzt beachtliche internationale Erfolge aufweisen können, stehen noch weitere Paare zur Verfügung, die Deutschland gut und gewiss auch erfolgreich vertreten werden. Diese Deutsche Meisterschaft hat es gezeigt. Strahlende Augen allenthalben nach dem Turnier und beim nächtlichen Champions Dinner im Hotel: Mein Gott, war das ein schönes Turnier! Das freilich lag nicht nur an den vielen leistungsstarken Paaren. Matthias Fronhoff und die Tanzschule Breuer verwenden im Bürgerhaus Troisdorf immer wieder viel Sorgfalt darauf, einem starken Turnier auch einen festlichen Rahmen zu geben. Das ist wieder vollauf gelungen. Finale (mit Platzziffern der Endrunde / Ergebnissen des Semifinales) 1. Franco Formica / Oxana Lebedew (Berlin) - 6 / 70 2. Evgenij Voznyuk / Oksana Nikiforova (Kassel) - 12 / 70 3. Martin Schurz / Sofia Bogdanova (Bonn) - 19 / 65 4. Anton Ganopolskyy / Nataliya Magdalinova (Ludwigshafen) - 23 / 69 5. Stefan Erdmann / Sarah Latton (Köln) - 31 / 60 6. Dennis Tischmacher / Melissa Ortiz-Gomez (Freiburg) - 35 / 53 Semifinale 7. Jürgen Schlegel / Ksenija Gorenc (Freiburg) - 52 8. Boris Rohne / Madeleine Epler (Leipzig) - 44 9. Ricardo de Freitas / Diana Rosa Reinig (Heidelberg) - 21 10. Federico J. Slemties / Stephanie Thoms (Hannover) - 16 11. Ronny Möbus / Kathleen Urbanski (Cottbus) - 3 12. Marco Randel / Stephanie Blob (Nürnberg) - 2 (Hinweis: Bei den Professional-Turnieren werden im Semifinale, anders als bei den Amateuren, die Bewertungen „2“, „1“ oder „0“ vergeben. Es sind bei sieben Wertungsrichtern also 70 Punkte möglich.) Wertungsrichter: 1. Roberto Albanese (Bremen) 2. Hans-Reinhard Galke (Umkirch) 3. Evelyn Hädrich-Hörmann (Hamburg) 4. Ralph Lepehne (Bonn) 5. Oliver Seefeldt (Berlin) 6. Mechtild Trautz-Melzer (Memmingen) 7. Oliver Wessel-Therhorn (Stessen)  

Falko Ritter

Die Fotos von Frank Heinen hat uns dankenswerterweise CMS-Media www.cms-media.de honorarfrei zur Verfügung gestellt.

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