GOC: Finalplätze in allen vier Turnieren

Die 22. German Open Championships sind zu Ende. Der DPV kann mit den vier Turnieren der Professionals sehr zufrieden sein. Das gilt zunächst für die Ergebnisse der deutschen Paare: In allen Turnieren war der DPV im Finale vertreten, insgesamt waren es sechs Finalplätze, vier davon auf den Medaillenrängen. In den World Series Turnieren haben weitere deutsche Paare das Semifinale erreicht oder waren in den 24er Runden erfolgreich.

In den Standardtänzen war das Interesse natürlich besonders auf die beiden neuen Paare gerichtet, die erst vor kurzem von den Amateuren zu den Professionals gewechselt waren. Das sind zum einen Stanislaw Massold und Christine Deck aus Bremen, die 2007 bei der DM der Amateure den Bronzerang erreichten. Das sind aber auch Simon Reuter und Julia Niemann aus Stuttgart, 2007 mit dem 7. Platz Finalanschlusspaar der DM der Amateure. Beide hatten sich sowohl für die Rising Stars als auch für das WDC World Series Turnier gemeldet und gingen sichtlich hochmotiviert ins Rennen, denn beide wollten sich für die nächste Zeit eine möglichst gute Ausgangsposition schaffen. Das ist ihnen gelungen: Auf Anhieb im World Series Turnier unter 38 Paaren die beiden Finalanschlussplätze 8 und 9 für Massold/Deck und Reuter / Niemann, bei 24 Paaren der Rising Stars Silber und Bronze für dieselben Paare, allerdings intern in der umgekehrten Reihenfolge, das berechtigt zu schönsten Hoffnungen für die Zukunft. In der Relation zueinander hätten die beiden Paare, die auch die gehörige Portion Ehrgeiz mitbringen, sicher gerne gleich klare Verhältnisse geschaffen, die beiden Wertungsgerichte haben aber für abwechselnde Reihenfolge und dadurch für künftige Spannung gesorgt.

 

Das waren die „Neuen“. Schon etwas länger zählen die langjährigen Deutschen Meister und zweimaligen Vizeweltmeister der Amateure Sascha und Natascha Karabey zu den Professionals. Im letzten Jahr hatten sie bei ihrer ersten GOC-Teilnahme als Professionals den 5. Platz erreicht. Sie zählten jetzt in allen Runden klar zu einem Spitzenfeld von vier Paaren, mussten sich dann aber allen drei italienischen Konkurrenten geschlagen und mit dem vierten Platz zufrieden geben. Das Turnier verhalf vielen auch zu einem Wiedersehen mit Urs Geisenhainer, der mit Annette Sudol und dann mit Olga Nesterova einige Male Finalist der deutschen Amateurmeisterschaften war. Er lebt jetzt als Tanzsportprofi in den USA und sucht hin und wieder den alten Kontinent nicht nur zum Besuch seiner Familie, sondern auch zur Teilnahme an Tanzturnieren auf. Mit seiner Partnerin Agnes Kazmierczak belegte er im Finale den 7. Platz.

 

Besondere Erwähnung verdienen auch Michael Sörensen und Miriam Blume. Sie tanzen seit 2000 zusammen, zunächst als Amateure für Dänemark, seit 2006 als Professional für Deutschland. Sie haben nach einigen Ergebnissen, mit denen sie selbst nicht recht zufrieden waren, wieder Tritt gefasst und haben nur um einen Platz das Semifinale verpasst.

Das Finale sah so aus:

1. Mirko Gozzoli / Alessia Betti (Italien) (5)
2. Domenico Soale / Gioia Cerasoli (Italien) (10)

3. Michele Bonsignori / Monica Baldasseroni (Italien) (15)

4. Sascha und Natascha Karabey (Bad Homburg) (20)
5. Evgeny Kazmirchuk / Yulia Spesivtseva (Russland) (25)
6. Ruslan und Olena Golovashchenko (Ukraine) (31)
7. Urs Geisenhainer / Agnes Kazmierczak (USA) (34)
 

Eine für Deutschland gute Bilanz zeigen auch die Ergebnislisten der Lateintänze: Auch hier ein bei den GOC neues deutsches Profipaar, das sich in sein neues Umfeld schnell und gut hineingefunden hat: Dennis Tischmacher und Melissa Ortiz-Gomez aus Freiburg. Bei 39 Paaren der Rising Stars hatten drei Runden vor dem Finale immer noch nicht für Klarheit gesorgt: Auf Platz 6 lagen vier Paare punktgleich, so dass sich eine neunpaarige Endrunde ergab. Tanzsporthistoriker versichern, das sei das erste Mal in der Geschichte der GOC, über acht Finalisten sei man bisher noch nicht hinausgekommen. Auch mit dieser Situation kamen Dennis und Melissa gut zurecht und schlossen verdient mit dem 3. Platz ab.

 

Einer der GOC-Höhepunkte war schon immer das Lateinturnier der Professionals. Das war in diesem Jahr nicht anders. Die Zusammensetzung des Teilnehmerfeldes hatte für Spannung gesorgt: Die deutschen Vorjahressieger Franco Formica und Oxana Lebedew waren gezwungen abzusagen, neu dabei waren Maurizio Vescovo mit Melinda Törökgyörgy, die 2007 den Beethovensaal noch als Amateuer-Sieger verlassen hatten, aber auch Dmitry Timokhin, dem langjährigen GOC-Stammpublikum noch bestens aus den Jahren bekannt, in denen er mit Anna Bezikowa bei den Amateuren sehr erfolgreich war und der nun mit seiner neuen Partnerin Natalia Petrova auf der Liste stand. Gespannt war man auch auf Markus Homm, der sich nach Partnerwechseln nach nur wenigen Wochen gemeinsamen Trainings mit Ksenia Kasper zu den GOC gemeldet hatte. Bekannt waren indessen die Zweitplatzierten des Vorjahrs, Evgenij Voznyuk und Oksana Nikiforova. Weder nach diesen Daten noch nach den Leistungen der ersten der insgesamt fünf Runden waren sichere Prognosen möglich, aber an diese vier Paare würden wohl die vorderen Plätze vergeben werden. Darüber waren sich die Experten einig. , allerdings nicht über die Reihenfolge im Einzelnen. Dem entspricht auch die Tabelle der Endrundenwertungen: Alle vier Paare erhielten Einsen, selbst bei den beiden Erstplatzierten ging die Spanne bis 4 (Timokhin) und 5 (Vescovo). Die Platzziffern zeigen, wie eng es bei den beiden Zweikämpfen (um den ersten und um den dritten Platz) zuging.

Finale:

1. Maurizio Vescovo / Melinde Törökgyörgy (Ungarn) (7)
2. Dmitry Timokhin / Natalia Petrova (Russland) (8)
3. Markus Homm / Ksenia Kasper (Nürnberg) (17)
4. Evgenij Voznyuk / Oksana Nikiforova (Kassel) (18)

5. Alexander Ilinykh / Anna Afonenkova (Russland) (25)
6. Peter Majzeli / Maja Gersak (Slowenien) (30)

Das GOC-Publikum ist übrigens manchmal nicht recht zu verstehen: Dass Maurizio Vescovo ein hervorragender Lateintänzer ist, weiß jeder. Dass Lateintanzen auch Showcharakter hat, auch. Ob es allerdings zu einer gelungenen Interpretation eines Paso doble gehört, mit den Hosenträgern - sie waren Teil seines Outfits - sonderbare Manipulationen (z.B. Ziehen des einen gedehnten Hosenträgers über den Kopf auf die andere Seite) vorzunehmen, und dies während des ganzen Tanzes darf bezweifelt werden. Na gut, wenn es ihm Freude macht. Weniger gut ist es, dass das Publikum gerade dies zum Anlass für frenetischen Beifall und standing ovations nimmt. Klaumauk kann zur Not ertragen, sollte aber nicht mit Beifall belohnt werden.

Im Mittelfeld gaben zwei weitere DPV-Paare ein gutes Bild ab, nämlich Stefan Erdmann mit Sarah Latton und Dennis Tischmacher mit Melissa Ortiz-Gomez, die die 24er Runde erreichten.

Die Turniere stellten aber auch eine gute Präsentation sowohl des Profitanzsports generell wie auch der Leistungsstärke der deutschen Turnierpaare dar. Das Publikum war an den Profiturnieren sehr interessiert und bewies das durch starke Präsenz nicht nur im Beethovensaal, sondern auch in der Reithalle. Um die Betreuung der deutschen Paare kümmerte sich in erster Linie Sportwart Klaus Gundlach. Zur Stärkung des Teamgefühls hatte er beispielsweise an alle Paare in Säckchen mit DPV-Aufdruck stärkenden Pausenproviant verteilt.

Bei den beiden WDC World Series Turnieren ging es natürlich nicht nur um Ruhm und Ehre: Im November finden die Weltmeisterschaften in den Standard- und in den Lateintänzen statt, nämlich Standard am 22. November in Bonn, Latein am 29. November in Innsbruck. Die Mitglieder des World Dance Council müssen für diese Turniere ihre Teilnehmer nominieren.

Falko Ritter
 

Vollständige Ergebnisse: www.goc-stuttgart.de/start.html

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GOC 2008 – Besonders erfolgreiche DPV-Paare

 

WDC World Series Standard (38 Paare)

 

4. Sascha und Natascha Karabey (Bad Homburg)
8. Stanislaw Massold / Christine Deck (Bremen)
9. Simon Reuter / Julia Niemann (Stuttgart)
13. Michael Sörensen / Miriam Blume (Augsburg)
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WDC World Series Latein (48 Paare)

 

3. Markus Homm / Ksenia Kasper (Nürnberg)
4. Evgenij Voznyuk / Oksana Nikiforova (Kassel)
20. Stefan Erdmann / Sarah Latton (Köln)
23. Dennis Tischmacher / Melissa Ortiz-Gomez (Freiburg)
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GOC Rising Stars Standard (24 Paare)

 

2. Simon Reuter / Julia Niemann (Stuttgart)
3. Stanislaw Massold / Christine Deck (Bremen)
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GOC Rising Stars Latein (39 Paare)

 

3. Dennis Tischmacher / Melissa Ortiz-Gomez (Freiburg)
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Falko Ritter

Copyright © für alle Fotos: Volker Hey, www.sports-picture.net

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