Latein-Weltmeisterschaft der Professionals - Innsbruck 29.11.2008

Franco Formica und Oxana Lebedew auf dem WM-Treppchen

Anfang 2007 haben sich Franco Formica und Oxana Lebedew beim DPV als neues Profipaar angemeldet. Ihr erstes Turnier war die Deutsche Meisterschaft. An der Weltmeisterschaft wollten sie 2007 noch nicht teilnehmen. Das war vielleicht, rückblickend betrachtet, eine gute Entscheidung: Zwar haben sie sich im Feld der Professionals gleich weit vorn eingereiht, mit einem 8. Platz in Blackpool beispielsweise, aber vor ihrer ersten Internationalen Meisterschaft wollten sie noch einige Zeit an sich arbeiten. Das Timing war gut: Nach dritten Plätzen bei der Europameisterschaft und beim International in diesem Jahr stand für Ende November die erste WM-Teilnahme im Kalender.

Als zweites deutsches Paar war „die andere Hälfte“ des Amateur-Weltmeisterpaares 2002 bis 2004, Oksana Nikiforova, zusammen mit Evgenij Voznyuk Deutsche Vizemeister, nominiert worden. Auch sie haben in der Vergangenheit bewiesen, dass sie stets für vordere Plätze gut sind.

61 Paare aus 35 Nationen hatten sich im Congress in Innsbruck eingefunden. Dieser Veranstaltungsort ist Tanzsportlern seit vielen Jahren gut bekannt: Ferry Polai richtet dort, immer gegen Jahresende, die World Masters Latein aus, für Lateinprofessionals eines der großen und bedeutenden Turniere des Jahres, fast ein „Muss“. Auch dieses Mal bewies er seine Fähigkeiten als erfahrener und routinierter Ausrichter.

Nach der „Papierform“, also nach den Ergebnissen der letzten Monate, zählten Michal Malitowski und Joanna Leunis aus Polen sowie Riccardo Cocchi und Yulia Zagoruychenko aus den USA zu den heißen Favoriten. Aber auch Franco Formica und Oxana Lebedew traute man zu, beim Kampf um die vorderen Plätze ein Wort mitzureden. Etliche weitere bekannte Namen erfolgreicher Paare standen auf der Startliste, die Regelzahl sechs für die Finalteilnahme würde nicht ausreichen, alle realistischen Finalhoffnungen zu erfüllen, so viel stand fest.

Nach den ersten Qualifikationsrunden am Nachmittag ging es am Abend mit 25 Paaren um den Einzug ins Semifinale, also rechnerisch unter das erste Fünftel. Hier drückten die - leider nicht sehr zahlreich angereisten - deutschen Schlachtenbummler Evgenij und Oksana die Daumen, dies eigentlich mehr sicherheitshalber, denn der Einzug ins Semifinale schien nach dem sehr guten Bild, das sie abgaben, eine klare Sache zu sein. Aber wie es bei sehr großen Turnieren so ist: Es kommt manchmal anders als gedacht. Mit 22 Kreuzen - die nächsten hatten mit 13 nur rund die Hälfte davon - haben sie mit Platz 13 das durchaus verdiente Semifinale haarscharf verfehlt.

Bei der Auswahl für das Finale mussten rechnerisch auch Paare auf der Strecke bleiben, die in ihren Amateurzeiten zu den Spitzenpaaren zählten, dieses Mal traf es beispielsweise Vescovo, Timokhin und Katsevman. Franco und Oxana hingegen wurden erwartungsgemäß für das Finale aufgerufen. Es wurde ernst. Die Wertungen waren, die Platzziffern zeigen es, im Grunde recht homogen. Michal Malitowski und Joanna Leunis münzten ihre durch viele gute Ergebnisse erworbene Anwartschaft in einen Sieg um, allerdings nicht mit allen Einsen und bei weitem nicht so deutlich, wie es die zahlreichen polnischen Schlachtenbummler offenbar erwartet hatten. In jedem Tanz gingen mehrere Einsen, der Jive sogar ganz, an Riccardo Cocchi und Yulia Zagoruychenko, einige auch an Franco und Oxana, die mit klaren dritten Plätzen in allen Tänzen letztlich den dritten Medaillenrang belegten. Von den Wertungsrichtern hatte Tatsuro Otake Franco und Oxana auf Platz
2 gesehen, Espen Salberg und Matthias Fronhoff sogar auf Platz 1.Insgesamt konnten Franco und Oxana 15 Wertungen „besser als 3“ für sich verbuchen. Man kann also damit rechnen, dass die Situation an der Profilateinspitze interessant bleibt. Franco und Oxana werden die nächste Zeit nutzen.

Die Ergebnisse im Semifinale und Finale:


Finale:

1. Michal Malitowski / Joanna Leunis (Polen) (6)
2. Riccardo Cocchi / Yulia Zagoruychenko (USA) (9)
3. Franco Formica / Oxana Lebedew (Deutschland) (15)
4. Sergey Surkov / Melia (Polen) (21)
5. Peter Stokkebroe / Kristina Juel Stokkebroe (Dänemark) (24)
6. Andrej Skufca / Elena Khvorova (Slowenien) (30)


Semifinale:

7. Maurizio Vescovo / Melinda Törökgyörgy (Ungarn)
8. Dmitry Timohin / Natalia Petrova (Russland)
9. Rachid Malki / Anna Suprun (Norwegen)
10. Evgeny Rypin / Jana Pokrovskaja (Russland)
11. Eugene Katsevman / Maria Manusova (USA)
12. Justinas Duknauskas / Ekaterina Lapaeva (Litauen)


Falko Ritter
 

Fotos: Thomas Böhm, Tiroler Tageszeitung