Bericht über die "Deutsche Meisterschaft Kür 2009 " am 14. März 2009 in Lengerich

Aus verschiedenen Gründen konnten einige Paare nicht an den Start gehen oder mussten absagen, es waren folglich nicht ganz so viele wie im letzten Jahr. Das tat indessen dem Erfolg der Veranstaltung keinen Abbruch. Den Ausrichtern Henriette Wagner und Thomas Derner gelingt es seit Jahren immer wieder, in der Dreifachsporthalle der Kleinstadt Lengerich für ein begeisterungsfähiges Publikum eine rundum gelungene Tanzsportveranstaltung zu organisieren: Thomas Derner erwies sich erneut als ein routinierter Turnierleiter, der alle erforderlichen Informationen gibt, für den aber die Paare der Mittelpunkt des Ereignisses sind. Ein abwechslungsreiches Showprogramm aus der Arbeit der Tanzschule waren der Rahmen für das eigentliche tanzsportliche Ereignis. In beiden Disziplinen hat sich bewiesen, dass der DPV auch weiterhin über leistungsstarke Paare verfügt, die international ein Wort mitreden können.

Prominenz am Flächenrand: Isabel Edvardsson und Michael Hull

Auf der Startliste der Standardkür standen nur vier Paare. Wie kürzlich beschlossen, wurde dennoch eine Runde vorgeschaltet, nicht als gewertetes Semifinale, sondern im Sinne eines „general look“. Stanislaw Massold und Christine Deck hatten krankheitshalber abgesagt, so dass es auf einen Zweikampf zwischen den Vorjahreszweiten Boris und Madeleine Rohne („Romeo und Julia“) und den Titelverteidigern Simon Reuter und Julia Niemann („Emotions“) hinauslief, den die letzteren deutlich und nicht unerwartet für sich entschieden. Diese beiden Paare werden Deutschland in Kürze bei der Europameisterschaft der Standardkür in Freiburg vertreten.

Thomas Derner überlässt Karl Breuer das Mikrofon für die Begrüßungsansprache

Das Lateintunier fand ohne die Titelverteidiger Stefan Erdmann und Sarah Latton statt, die wegen eines ernsthaften Krankheitsfalles in der Familie nicht antreten konnten. Die Wertung der Endrunde wies die Besonderheit auf, dass alle vier vorderen Paare Plätze von 1 bis 4 für sich verbuchen konnten. Die Choreographie der Kür „Now!“ von Federico Slemties und Stefanie Thoms liegt etwas außerhalb des Spektrums des Üblichen, sie enthält (vielleicht: infolgedessen) einen vergleichsweise großen Anteil von Bewegungsabläufen, die nicht im klassischen Lateintanzen beheimatet sind. Beides ist nach den Kürregeln erlaubt, mag aber die Auffassungsunterschiede der Wertungsrichter erklären. Mit derselben Majorität, nämlich mit sechs Wertungen auf „1-3“ schlossen die Vizemeister des Vorjahres Martin Schurz und Sofia Bogdanova („Zufällige Begegnung“) und Anton Ganopolskyy / Nataliya Magdalinova („Latin pure“) das Finale ab. Erst die nächste Rechenregel ergab für die Bonner wiederum den Vizemeistertitel. Die Show- und folglich auch Kürtalente Boris und Madeleine Rohne nutzten mit ihrer Kür „Senor coconut“ die Gunst der Stunde und der Titelvakanz, erhielten von sechs Wertungsrichtern Einsen und Zweien und sind die neuen Deutschen Kürmeister in den lateinamerikanischen Tänzen.

Das Turnier war von einem gelungenen Showprogramm umrahmt

Das Kürtanzen bietet den Paaren ein hohes Maß an Gestaltungsfreiheit. Davon wird in verschiedener Weise Gebrauch gemacht. Das wirft aber auch Fragen auf: Ist vor allem typisches Latein- und Standardtanzen gefragt, oder sind auch größere Anteile „freestyle“ angebracht? Soll der „Name“ der Kür schon ihre tänzerische Ausgestaltung mit vorgeben, soll eine „Geschichte“ erzählt werden („Romeo und Julia“, „Zorro“ von Markus und Isabel)? Oder ist bei einer phantasievollen nicht an einer Story orientierten Choreographie auch ein Phantasiename („Emotions“, „Now“) das richtigere? Gewiss, beides ist erlaubt, aber gerade das ist kein Beitrag für eine bessere Vergleichbarkeit der Küren. Und ein Kürturnier soll ja schließlich auch als Wettkampf, dessen Entscheidungsgrundlagen nachvollziehbar sind, ernst genommen werden.

Die Fotos unserer Bildergalerie hat Detlef Dowidat von den Westfälischen Nachrichten aufgenommen, dem wir herzlich dafür danken.

F.R.

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