ADTV-Tradition lebt wieder auf: Deutsche Lateinmeisterschaft der Professionals zu Beginn des INTAKO 2009

Die reiferen Jahrgänge erinnern sich: Vor vielen Jahren gehörte es fast zur Tradition, dass im Rahmen des jährlichen INTAKO ein großes Tanzturnier der Professionals stattfand. Das wurde jetzt wieder aufgegriffen. Im Maritim-Saal, dem großen und eindrucksvollen Festsaal des erst vor kurzem in Betrieb genommenen gleichnamigen Hotels am Düsseldorfer Flughafen fanden sich die Lateintänzer des Deutschen Professional Tanzsportverbandes zur Deutschen Meisterschaft ein. Auf der ursprünglich recht langen Startliste mussten aus verschiedenen Gründen einige Streichungen vorgenommen werden, deshalb war auch eine zunächst eingeplante nachmittägliche Vorrunde entbehrlich. Das hatte natürlich den Vorteil, dass es keinem der letztlich noch startenden 14 Paare versagt war, in festlicher Atmosphäre zu den Klängen von Hugo Strasser und seinem Großen Tanzorchester seine Leistung zu zeigen.

Die Turnierleitung hat entschieden, dass sieben Paare ins Finale genommen wurden. Das war im Hinblick auf die Wertungsergebnisse des Semifinales vernünftig, denn zwischen dem nach dem Semifinale siebten und dem nächsten Paar gab es den deutlichen Abstand von 53 zu 29 Punkten. Die Endrunde versprach spannend zu werden: Neu oder wieder dabei waren zwei Paare: Markus Homm und Ksenia Kasper, die in Moskau leben, haben seit den GOC 2008 nicht mehr in Deutschland getanzt und auch nicht an der Deutschen Meisterschaft 2008 teilgenommen, Jesper Birkehoj und Anna Kravchenko hatten erst vor wenigen Wochen nach der diesjährigen Deutschen Amateurmeisterschaft ihren Wechsel ins Profilager vorgenommen. Prognosen, die sich daran orientieren, wer wen zuletzt geschlagen hat, waren also insoweit kaum oder gar nicht möglich. In den Wertungen kristallisierte sich rasch eine Spitzengruppe von vier Paaren heraus. Es waren dieselben vier, die aus dem Semifinale jeweils mit 70 Kreuzen hervorgegangen waren, nämlich außer den beiden Genannten Franco Formica und Oxana Lebedew, Dritte der letzten Weltmeisterschaft, sowie Evgenij Voznyuk und Oksana Nikiforova, seit einiger Zeit Semifinalisten fast aller bedeutender auch internationaler Turniere.

Die Siegerehrung

Spätestens nach der Vorrunde hat niemand an einer erfolgreichen Titelverteidigung durch Formica/Lebedew gezweifelt, es ging also vor allem um den Vizemeistertitel und den dritten Medaillenrang, nebenbei übrigens auch um die Nominierung zur Europameisterschaft, die für den 18. April terminiert ist und in Aarhus (Dänemark) stattfinden wird. Recht knapp fiel die Entscheidung zwischen Homm/Kasper und Voznyuk/Nikiforova aus: Lagen nach dem Cha Cha noch die deutschen Vizemeister, die im Semifinale einen hervorragenden Eindruck hinterlassen hatten, mit einem hauchdünnen Vorsprung vorn, wendete sich das Blatt alsbald zugunsten von Homm/Kasper, die letztlich mit einem dritten, drei zweiten und einem weiteren mit ihren Konkurrenten geteilten zweiten Platz Vizemeister wurden. Sie werden neben Formica /Lebedew als zweites deutsches Paar am kommenden Samstag in Aarhus (Dänemark) bei der Europameisterschaft an den Start gehen. Die Neuprofis Birkehoj/Kravchenko, die man vor dem Turnier allgemein auf einem der vorderen Plätze zwischen zwei und vier erwartete, hatten einen guten Einstand. Auch einige Zweien und Dreien zeigen, dass man sie zur Spitzengruppe rechnen kann.

Hugo Strasser ist für Oliver Wessel-Therhorn und Natascha Karabey seit langen Jahren im Tanzsport ein treuer Wegbegleiter

Wer die Ergebnisse der internationalen Turniere der letzten Monate verfolgt hat, war auf die Titelverteidiger Franco Formica/Oxana Lebedew gespannt und wurde nicht enttäuscht. Vom ersten Tanz an zeigten sie sich der Konkurrenz deutlich überlegen, gaben nur eine einzige Eins ab und erhielten für ihre Kür vierzehn Mal 6.0.

Der Kampf um die weiteren Finalplätze gestaltete sich spannend: Tischmacher/Ortiz-Gomez, die als siebtes Paar des Semifinales die Endrunde erreicht hatten, konnten sich in zwei Tänzen und der Kür auf Platz 5 bringen und wurden damit auch für Schurz/Bogdanova gefährlich, die in der Endabrechnung aber dennoch mit Platz 5 abschlossen. Da jede Wertung nur einmal vergeben werden darf, ging das letztlich zu Lasten von Ganopolsky/Magdalinova, für die der 7. Platz blieb. An das Finale schlossen auf Platz 8 Federico Slemties und Stephanie Thoms an, die sich schon seit längerer Zeit gut und konstant im Mittelfeld behaupten, sowie auf Platz 9 Wladislaw Lalafarjan, der mit einer deutlich verbesserten Vanessa Held das aktive Tanzen wieder aufgenommen hat.

Erinnerung an Bill und Bobbie Irvine:

Mit dem Rahmenprogramm hätte ein gesonderter Abend gestaltet werden können: Oliver Wessel-Therhorn, der sich zum einen, wie man weiß, sehr auch für die Geschichte des Tanzens und des Tanzsports interessiert, zum andern Bill und Bobbie Irvine während langer Jahre auch persönlich sehr nahe stand, hatte zusammen mit Natascha Karabey anhand von Film- und Videoaufnahmen einige Originalchoreographien von Standardshows einstudiert, mit denen Bill und Bobbie Irvine seinerzeit die Tanzsportwelt begeistert haben. Das ist auch Oliver und Natascha gelungen. Man erinnerte sich bei dieser Hommage mit Wehmut an dieses außergewöhnliche Paar, konnte zugleich aber auch sehen, dass trotz aller Fortentwicklung des Standardtanzens die "principles" immer noch dieselben sind.

Sascha und Natascha Karabey in...
...ihrer grandiosen Standardshow

Natascha war natürlich nicht alleine da. Zusammen mit Bruder Sascha zeigten sie ihre große Standardshow, mit der die beiden wieder einmal bewiesen, dass sie zu Recht zu den Spitzenpaaren des Weltprofitanzsports zählen.

Wie gewohnt ein souveräner Turnierleiter: Matthias Fronhoff

Dieses herausragende Ereignis, das bei Matthias Fronhoff und Ingo Woite in besten Händen lag, sollte zugleich auch Schauplatz des Treffens von Träger berühmter Tanzsportnamen und von Meistertiteln sein. Insbesondere die Liste des Wertungsgerichts beweist es. Die Frage von Turnierleiter Matthias Fronhoff, wie viele deutsche und internationale Meistertitel von den sieben Wertungsrichtern wohl insgesamt ertanzt worden seien, lagen auch die, die hoch gegriffen hatten, noch stark daneben: Es sind zusammen über 200.

Falko Ritter Alle Fotos wurden freundlicher Weise von Volker Hey zur Verfügung gestellt: www.sports-picture.net

Finale mit Platzziffern:

1. Franco Formica / Oxana Lebedew (Berlin) - 6
2. Markus Homm / Ksenia Kasper (Nürnberg) - 13,5
3. Evgenij Voznyuk / Oksana Nikiforova (Kassel) - 16,5
4. Jesper Birkehoj / Anna Kravchenko (Karlsruhe) - 24
5. Martin Schurz / Sofia Bogdanova (Bonn) - 33
6. Dennis Tischmacher / Melissa Ortiz-Gomez (Freiburg) - 36
7. Anton Ganopolsky / Nataliya Magdalinova (Ludwigshafen) – 40


Wertungsrichter:

Andrea Beer (Bremerhaven), Karl Breuer (Köln), Patsy Hull-Krogull (Osnabrück) , Ralf Müller (Rastatt), Wolfgang Opitz (USA), Rudolf Trautz (Augsburg), Carmen Vincelj (London)

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