Bericht zur Europameisterschaft der Profis in den Lateinamerikanischen Tänzen am 18. April 2009 in Aarhus, Dänemark.

Die Europameisterschaft 2009 zwischen Show-Spektakel und Turnier

Am Samstag, dem 18. April 2009, wurde in Aarhus, Dänemark, die Latein- Europameisterschaft von den Veranstaltern „Aarhus Elite Dans“ hervorragend organisiert und durchgeführt. Mit dem Einhalten eines perfekten Zeitplanes startete die Vorrunde am Nachmittag mit 35 Paaren aus 23 Nationen.

Die Deutsche Delegation bestand aus unseren deutschen Vizemeistern Marcus Homm mit Ksenia Kasper, unseren deutschen Meistern Franco Formica mit Oxana Lebedew sowie Klaus Gundlach als Betreuer der Paare und Evelyn Hädrich-Hörmann als Wertungsrichterin. Die NRG 1 Arena war fast ausverkauft und entsprechend war die Stimmung speziell für die dänischen Paare von Beginn an ziemlich aufgeheizt.

Gewertet wurde, für einige Wertungsrichter erstmalig, mit dem „Digi“.
Entsprechend machte sich eine leichte Nervosität unter den Kollegen breit.
Wie immer waren am Ende auch hier die meisten überzeugt, dass mehr Zeit bleibt, sich auf die Paare zu konzentrieren. Und das war auch dringend erforderlich….

Am Abend dann zuerst die Runde der besten 24, die unsere beiden Paare mit höchster Punktzahl erreichten. Gleich danach ein Kinder- und ein Jugend Latein Turnier. Von Beginn des Semifinales an schaltete sich das dänische Fernsehen mit einer Live-Übertragung für den Rest des Abends ein. Es sollte eine reale „Let's Dance“ TV Show folgen.

Die EM wurde dadurch stark in ihrem weiteren Verlauf beeinflußt. Der Animateur zum Beispiel, der die Zuschauer in Stimmung brachte, war einerseits sehens- und hörenswert, andererseits ging es am Ende gar nicht mehr um die Leistung der Paare. Eine Jury gab es natürlich auch…. Sie bestand aus Alan Tornsberg, Anne Laxholm, Jens Werner und Britt Bendixen und wurde von einem Moderatorenteam ständig zu den Ereignissen auf der Tanzfläche befragt.

Dann hatte sich das dänische Fernsehen noch etwas Spezielles ausgedacht. Hoch über der Tanzfläche konnten die Zuschauer (leider aber auch die Paare und Wertungsrichter) auf vier großen Monitoren zeitgleich mit verfolgen, wer über die „Digis“ vom Semifinale in die Endrunde gewertet wurde. Nach der Rumba wagte ich einen Blick nach oben und sah, dass unsere beiden Paare klar ins Finale gewertet wurden. Sehr zu meinem Erstaunen wurden jedoch für Deutschland Ksenia und Marcus nicht zur Endrunde aufgerufen, sondern nur Oxana und Franco. Zwei Kreuze im Jive sollen ihnen gefehlt haben!?

Die tänzerische Leistung von Ksenia und Marcus war in allen fünf Tänzen absolut endrundenreif. Beide passen sehr gut zu einander und zeigten ein super ausbalanciertes rhythmisches mit interessanten Tempowechseln charakteristisches Lateintanzen. Sicher werden sie sich bei den nächsten Turnieren ganz weit vorne platzieren.

Klar ins Finale gewertet wurden unsere Deutschen Meister Oxana und Franco. Im Finale zeigte sich jedoch, dass die Paare nicht nur tänzerisch sondern auch psychisch stark heraus gefordert wurden.

Zwischen den einzelnen Tänzen des Finales wurden von dem Moderatorenteam einzelne Jurymitglieder ausgiebig nach ihrer Meinung befragt. Diese langen Unterbrechungen sowie das Aufzeigen der Wertung über der Tanzfläche auf den Monitoren, die sich im Nachhinein als fehlerhaft heraus stellten, sorgten bei den Paaren und Wertungsrichtern für Irritation… Ein faires „competition-feeling“ konnte somit nicht entstehen!

Oxana und Franco tanzten sehr konzentriert und sich von Runde zu Runde steigernd ein qualitätsmäßig hochklassiges Turnier, so wie man es von ihnen erwartet. Nicht nur ihr ästhetischer Tanzstil begeistert, sondern auch die Wahl ihres Kleiderstils, der ihr spezielles, hervorragendes Lateintanzen hervorhob. Dass es nur der 3. Platz wurde, war auf Grund ihrer Leistung an diesem Abend nicht unbedingt gerechtfertigt. In Blackpool wird sich zeigen, dass man an der Spitze mit ihnen rechnen muss.

Zum 2. Platz getragen wurden Peter und Kristina Stokkebroe durch ihre Fans.
Diesen Heimvorteil nutzten sie und wuchsen psychisch über sich hinaus. Europameister wurden Joanna Leunis und Michal Malitowski. Mit ihrem bekannt rasanten Tanzstil konnten sie zum 4. Mal diese Meisterschaft gewinnen.

Am Ende bleibt die Frage, ob der Einfluss des Fernsehens die Fairness negativ beeinflusst hat.

Evelyn Hädrich-Hörmann

Finale:

1. Michal Malitowski / Joanna Leunis (Polen)
2. Peter Stokkebroe / Kristina Juel Stokkebroe (Dänemark)
3. Franco Formica / Oxana Lebedew (Deutschland)
4. Sergey Surkov / Melia (Polen)
5. Maurizio Vescovo / Melinda Törökgyörgy (Ungarn)
6. Justinas Duknauskas / Ekaterina Lapaeva (Litauen)

im Semifinale:

7. Markus Homm / Ksenia Kasper (Deutschland)

Wertungsrichter:

Lene James (Dänemark)
Mariusz Grzejszczak (Polen)
Evelyn Hädrich-Hörmann (Deutschland)
Alexey Beliaev (Russland)
Monique van Opstal (Niederlande)
Graham Oswick (Großbritannien)
Gian-Luca Fanni (Italien)
Trine Dehli (Norwegen)
Attila Becz (Ungarn)