Bericht zur Europameisterschaft der Profis in den Standard Tänzen am 25. April 2009 in Moskau, Russland.

Karabeys erstmals bei internationaler Profimeisterschaft auf dem Bronzerang

Am 25. April wurde die Europameisterschaft der Professionals in den Standardtänzen in Russland ausgetragen.

Ich erinnere mich noch genau an die EM 2001 in Russland: Unfreundlicher Empfang an der Passkontrolle mit nervenaufreibenden Wartezeiten, graue und dreckige, teils zerfallene Häuserfassaden, und stark beschädigte Fahrbahnbeläge. Es beschlich mich damals ein ähnlich beklemmendes Gefühl wie bei der Durchfahrt von DDR-Gebiet, wenn man nach Berlin wollte.

Heutzutage, acht Jahre später, hat sich enorm viel verändert. Die junge Dame an der Passkontrolle lächelt mir freundlich zu, überall erstrahlen historische Gebäude in neuem alten Glanz, und die Straßenbeläge haben Sachsen-Niveau nur stärker frequentiert.
Sprachlos wurde ich allerdings beim Verlassen des Duty Free Shops am Flughafen, als die Verkäufern mich mit einem „Auf Wiedersehen“ verabschiedete. Völlig perplex stammelte ich nur ein „Da“.

Im Herzen von Russland, dem Kreml, fand eingebettet in einem fantastischen Rahmenprogramm die Europameisterschaft Standard und die russische Lateinmeisterschaft statt.
Nach 2001 organisierte Stanislav Popov bereits zum zweiten Mail dieses Top-Event in Moskau.

Seinem ihm voraus eilenden Ruf als erstklassiger Veranstalter und zugleich Turnierleiter
machte er alle Ehren. Höhepunkt war seine Live-Performance von „Strangers in the night“. Ihm gelang etwas was uns in Deutschland trotz vieler Bemühungen noch nicht so gelingt: Das Gewinnen von finanzkräftigen Sponsoren und die Aufmerksamkeit von vielen hochrangigen Personen aus Politik und Wirtschaft. Tanzen ist in Russland mehr als Sport, Tanzen ist Kunst und genießt höchstes Ansehen.

Um den EM-Titel tanzten insgesamt 30 Paare aus 21 Nationen. Unsere Vertreter für Deutschland waren die amtierenden Vize-Europameister und Deutschen Meister Kür Smon Reuter und Julia Niemann, sowie unsere WM und EM-Finalisten Sascha und Natascha Karabey. Beide Paare erwischten einen hervorragenden Tag und präsentierten sich selbstbewußt und souverän von der Vorrunde an. Leider verpassten unsere Youngsters Simon und Julia das starke Semifinale nur um 2 Kreuze und belegten damit den Anschlussplatz. Ihr feiner eleganter Tanzstil hebt sich besonders in der heutigen Zeit sehr angenehm von den meisten Paaren ab, die krampfhaft versuchen mit immer noch mehr Krafteinsatz noch einen Meter weiter zu kommen. Im direkten Vergleich mit ihrer Kürleistung stecken in den 5 Tänzen aber noch viel mehr Ausdrucksmöglichkeiten.

Unsere Deutschen Meister Sascha und Natascha tanzten voll auf Angriff. Galt es doch den direkten Konkurrenten aus Slowenien zu distanzieren. Die Slowenen erwischten aber auch einen sehr guten Tag und präsentierten sich in absoluter Topform.
Beim Vorstellungstanz der Finalpaare wählten Sascha und Natascha als Intro ein paar Takte Basic in denen der bis dahin wunderschöne Schwung plötzlich erstarrte. Die Slowenen tanzten hingegen völlig befreit ihre Routine. Damit war die Entscheidung zumindest für die meisten Wertungsrichter für den Walzer gefallen. Der Tango ging ebenfalls an die Slowenen. Dann kam der Paradetanz unserer Meister. Mit dem besten technischen Bewegungsablauf in diesem Finale hätten sie eigentlich mehr Einsen im WW erhalten müssen. Wichtig war aber erstmal die Verkürzung des Abstandes auf den Slowenen. Mit ihrem weich fließenden Foxtrott konnten sie den Rückstand egalisieren. Der letzte Tanz musste die Entscheidung bringen. Mit einem fulminanten Quickstep verwiesen sie ihren Konkurrenten auf den 4. Platz.

Neuer Europameister wurden die Engländer Jonathan Wilkins/Hazel Newberry vor den Italienern Domenico Soale/Gioia Cerasoli.

Finale:

1. Jonathan Wilkins / Hazel Newberry (Großbritannien)
2. Domenico Soale / Gioia Cerasoli (Italien)
3. Sascha und Natascha Karabey (Deutschland)
4. Domen Krapez / Monica Nigro (Slowenien)
5. Evgenij Kazmirchuk / Julia Spesivtseva (Russland)
6. Sergey Mikheev / Natalya Chizhova (Russland)

13. Simon Reuter / Julia Niemann

Heiko Kleibrink