German Open Championships 2010

Vier Medaillen, davon zwei goldene, weitere Plätze im vorderen Feld und in der Mitte

Wie immer in den vergangenen Jahren standen im Rahmen der German Open Championships für die Professionals vier Turniere auf dem Programm, und zwar in den Standard- und in den lateinamerikanischen Tänzen je ein World-Series- und ein Rising-Star-Turnier.

Ich möchte dieses Mal nicht diese vier Turniere einzeln abhandeln, sondern mich an den Paaren orientieren, die in Stuttgart getanzt haben.

Zunächst ein wenig Statistik: von 20 DPV-Paaren wurden insgesamt 30 Starts absolviert, elf Paare haben je ein Turnier getanzt, acht in ihrer Disziplin beide (fünf in Latein, drei in Standard), eines hat an drei Turnieren (beide Lateinturniere, Rising Star in Standard) teilgenommen.

16 Paare haben sich in der Vorrunde oder den Vorrunden weiter qualifiziert. Im Einzelnen sind das folgende:


Standard:

Sascha und Natascha Karabey waren erst in der Nacht zum Dienstag - das war der Tag des World-Series-Turniers - mit Verspätung um Mitternacht aus Japan zurück gekommen und von Tokyo über Wien in Frankfurt eingetroffen. Dann haben sie zu Hause kurz umgepackt und sind mit dem Auto nach Stuttgart gefahren. Da ist es auch für ein längst in der Weltspitze etabliertes Paar nicht ganz einfach, sich gegen starke Konkurrenz durchzusetzen. Um so höher ist es zu bewerten, dass sie den von ihnen nach der „Papierform“ erwarteten Medaillenrang 3 trotz dieser konditionszehrenden Umstände erzielen konnten.

Sascha und Natascha Karabey
Rüdiger Homm und Viktorija Triscuka

Für die Deutschen Vizemeister Rüdiger Homm und Viktorija Triscuka wurde wie im letzten Jahr ein Anschlussplatz errechnet, allerdings 2009 zum Semifinale, dieses Mal mit dem 7. Platz zum Finale, das ist ein respektabler Fortschritt. Im Semifinale lagen sie nur vier Kreuze von 55 möglichen hinter den sechstplatzierten Japanern.

Oliver und Jasmin Rehder

Erstmals haben Oliver und Jasmin Rehder aus Köln bei den GOC als Professionals getanzt, und zwar beide Turniere ihrer Disziplin Standard. Schon im World-Series-Turnier hätten sie viele gerne im Semifinale gesehen, so auch immerhin vier Wertungsrichter in allen Tänzen, am Ende wurde dann für sie Platz 14 errechnet, kein schlechtes Ergebnis beim GOC-Profi-Einstand. Besonders erfreulich war es, dass sie zudem am nächsten Tag mit Platz 1 in allen Tänzen das Rising-Star-Turnier gewonnen haben. Damit ging die Goldmedaille in diesem Turnier wie im Vorjahr, als Rüdiger Homm und Viktorija Triscuka auf dem Treppchen ganz oben standen, nach Deutschland.

Gut eingeführt haben sich bei ihren ersten großen internationalen Profiturnieren die Berliner Felix Schäfer und Nina Ciechowski: Besonders bei den Rising Stars gaben sie mit dem Finalanschlussplatz 7 ein sehr gutes Bild ab.

Matthias Wirth und Annelie Röhrl haben ihr erstes Profiturnier getanzt und auf Anhieb einen Platz in der Mitte des Feldes erreicht.


Latein:

Wie Sascha und Natascha Karabey waren auch die beiden deutschen Lateinpaare der Weltspitze Franco Formica/Oxana Lebedew und Markus Homm und Ksenia Kasper erst unmittelbar vor den GOC aus Asien nach Deutschland zurück gekommen, hatten allerdings, weil ihr Turnier erst am Freitag stattfand, eine etwas längere Verschnaufpause.

Auch auf dem lateinamerikanischen Sektor ist die Bilanz sehr erfreulich: Die international sehr erfolgreichen Deutschen Meister Franco Formica und Oxana Lebedev haben auch dieses Mal nicht nur nicht enttäuscht, sondern mit ihrer traumhaften Leistung die Halle zum Toben gebracht. Auch die Wertungsrichter sahen das so: Das Siegerpaar hat keine einzige der 55 Einsen abgegeben. Diese Wertung war zugleich ein Beweis dafür, dass es nicht auf das „was“, sondern auf das „wie“ ankommt. Rumbamusik macht ständige Fortbewegung im Raum nicht erforderlich, bei der lässigen, lockeren Jivemusik ist im Grunde halsbrecherische Bodenakrobatik entbehrlich. Auch Franco und Oxana sehen das so und tanzen dementsprechend.

Franco Formica und Oxana Lebedev
Markus Homm und Ksenia Kasper

Die Deutschen Vizemeister Markus Homm und Ksenia Kasper belegten Platz 3, so dass bei der Siegerehrung zu den Klängen der deutschen Nationalhymne gleich zwei deutsche Flaggen emporgezogen wurden. Mit knappem Vorsprung und mit Hilfe der Skating-Regeln konnten sie Maurizio Vescovo und seine neue Partnerin Andra Vaidilaite auf Platz vier verweisen.

Jedenfalls Maurizio ist dem GOC-Publikum seit vielen Jahren bestens bekannt. Ab 2002 ist er in den Ergebnislisten der Amateure als Finalist verzeichnet. Das Paar hat für seine Leistung einen lang anhaltenden Applaus einschließlich einer Standing Ovation bekommen. Das war verdient, zumal er jetzt erfreulicherweise – vielleicht unter dem Einfluss der neuen Partnerin – auf überflüssige Clownerien verzichtet. Nun spricht es sicher für die Objektivität des Publikums, wenn auch Teilnehmer aus dem Ausland mit Beifall bedacht werden. Es geht einem dann allerdings doch Einiges durch den Kopf. Beispielsweise: Ich habe es in all den Jahren der GOC nicht erlebt, dass einem deutschen Paar, das gegenüber einem ausländischen Konkurrenten „zu schlecht wegkam“, ähnlicher Trost zuteil wurde. Erst recht gibt es kein deutsches Paar, das in einer solchen Lage im Ausland Derartiges erlebt hätte. Mit anderen Worten: Sportliche Gesinnung in Ehren, aber man kann es ja auch übertreiben.

Nach einer Zeit einer gewissen Turnierenthaltsamkeit waren für Deutschland auch Evgenij Voznyuk und Oksana Nikiforova am Start. Sie haben das Semifinale erreicht und sich mit Platz 10 innerhalb der aktuellen internen Reihenfolge vor Jesper Birkehoj und Anastasia Kravchenko gesetzt, die das Turnier mit Platz 16 abschlossen.

Massimo Sinato und Tatjana Kuschill

Wenige Tage vor den GOC hatten Massimo Sinato und Tatjana Kuschill (Platz 5 der letzten Deutschen Meisterschaft der Amateure) ihren Wechsel ins Profilager bekannt gegeben. Sie haben bei den Rising Stars das Finale erreicht und unter 33 Paaren den vierten Platz belegt. Immerhin vier Wertungsrichter haben sie klar als Sieger gesehen.

Sergiy Plyuta und Debbie Seefeldt aus Hamburg waren nach ihrem Profidebut bei der Deutschen Kürmeisterschaft im April in Hannover - dort konnten sie mit einem dritten Platz überzeugen - erstmals als Profis bei „normalen“ Lateinturnieren am Start. Sie kamen bei den Rising Stars mit Platz 7 weit nach vorn und konnten sich auch im World Series Turnier im Viertelfinale gut behaupten.

Punktgleich mit Sergiy Plyuta und Debbie Seefeldt kamen Jürgen Schlegel und Melissa Ortiz-Gomez auf Platz 7. Ähnlich unglücklich lief es für sie auch im World-Series-Turnier: Hier haben sie mit Platz 25 die 24er Runde nur knapp verfehlt.

Stefan Erdmann und Sarah Latton, die noch in die 24er Runde kamen, sowie Anton Ganopolsky und Nataliya Magdalinova, die mit Platz 27 an dieser ebenfalls nahe dran waren, haben in keiner Weise enttäuscht, konnten aber auch nicht erfolgversprechend nach vorn angreifen.

Sergey Oladyshkin und Anastasia Weber haben bei den Rising Stars Runde 2 erreicht


„Doppelstarter“:

Sowohl in Standard als auch in Latein gaben Stefan Heinrich und Manuela-Agata Brychzy, die insgesamt sogar bei drei Turnieren am Start waren, ein gutes Bild ab. In ihrer stärkeren Disziplin Latein kamen sie im World-Series-Turnier eine Runde weiter und bei den Rising Stars sogar mit Platz 11 ins Semifinale. Sie werden künftig sicher auch bei 10-Tänze-Turnieren ein Wort mitreden.

Wie im Vorjahr haben die deutschen Profitänzer auch bei den German Open Championships 2010 einen guten Beitrag zur deutschen Platzierung im Medaillenspiegel geleistet. In nur vier Turnieren gab es für sie vier Medaillen (2 Gold, 2 Bronze; Medaillen für deutsche Paare insgesamt: 4 Gold, 4 Silber, 6 Bronze). Ein bisschen schade ist es, dass in insgesamt fünf Fällen unsere Paare nur um einen Platz die nächste Runde verfehlt haben.

Übrigens: Wie Insider wissen, sind die künftigen nationalen und internationalen Verbandsstrukturen und ihre möglichen Auswirkungen auf die GOC 2011 und die weiteren Jahre im Gespräch. Die Diskussion ist jedoch noch nicht so weit fortgeschritten, dass es jetzt schon sinnvoll wäre, Zwischenergebnisse bekannt zu geben.


Die Finalrunden:

World Series Standard (37 Paare)

1. Mirko Gozzoli/Edita Daniute, Italien
2. Domenico Soale/Gioia Cerasoli, Italien
3. Sascha Karabey/Natascha Karabey, Deutschland
4. Valerio Colantoni/Yulia Spesivtseva, Russland
5. Eldas Dzhafarov/Anna Sazhina, Aserbaidschan
6. Kota Shoji/Nami Shoji, Japan

Rising Stars Standard (24 Paare)

1. Oliver Rehder/Jasmin Rehder, Deutschland
2. Alexey Troshin/Ekaterina Kirillova, Russland
3. Veiko Ratas/Helena Liiv, Estland
4. Andrey Klinchik/Yuliya Klinchik, USA
5. Herman Lak/Michèle Lak, Niederlande
6. Sergii Kravchuk/Anastasiya Fedchyshyna, Ukraine

World Series Latein (53 Paare)

1. Franco Formica/Oxana Lebedew, Deutschland
2. Andrej Skufca/Melinda Törökgyörgy, Slowenien
3. Markus Homm/Ksenia Kasper, Deutschland
4. Maurizio Vescovo/Andra Vaidilaite, Italien
5. Emanuele Soldi/Elisa Nasato, Italien
6. Przemek Lowicki/Asta Sigvaldadottir, Polen

Rising Stars Latein (33 Paare)

1. Daniele Gozzi/Cecilia Giovacchini, USA
2. Alessandro Camerotto/Nancy Berti, Italien
3. Markku Hyvärinen/Disa Kortelainen, Finnland
4. Massimo Sinato/Tatjana Kuschill, Deutschland
5. Katsuya Tateishi/Hiromi Tateishi, Japan
6. Christophe Licata/Anfray Coralie, Frankreich

Ausführlichere Informationen sind im Internet zu finden unter www.goc-stuttgart.de
 

Einige Anmerkungen zu bestimmten Randerscheinungen der GOC:


Mein Eindruck ist, dass die GOC in den vergangenen Jahren viel von der Festlichkeit und Eleganz der Gründerzeit eingebüßt hat. Ein paar Beispiele:

Die Zuschauer müssen auf ihrem Weg in den Beethovensaal zwangsläufig die Flächen passieren, die den Paaren zum Umkleiden und Aufbewahren ihres Gepäcks und ihrer Utensilien zur Verfügung steht. Das lässt sich sicher (aus baulichen und räumlichen Gründen) nicht anders regeln. Wohl aber ließe sich ändern, dass sich dort im Laufe der Stunden allerlei Müll (Verpackung von Speisen und Getränken u. ä.) ansammelt und nicht weggeräumt wird. Gewiss ist die Ursache dafür bei einem Teil der Paare und ihrer „Kinderstube“ zu suchen, solche Ursachen interessieren aber - ähnlich wie in einem Hotel - den zahlenden Besucher nicht besonders.

Es finden im Saal kaum mehr Kartenkontrollen statt mit der Folge, dass sich Personen, die bestimmte Sitzplätze gebucht und bezahlt haben, nicht nur tagsüber, sondern auch während der Abendveranstaltung mit denen, die dort eigenmächtig Platz genommen haben, in Diskussionen verwickeln lassen müssen, längere Diskussionen oftmals, mit der Folge, dass die dahinter Sitzenden während der Zeit dieser Auseinandersetzungen die Fläche nicht mehr sehen. Die Platzbesetzer schrecken oftmals nicht einmal davor zurück, zum Aufsuchen anderer noch freier Plätze über die Stuhlreihen zu steigen. Ihnen hätte man noch vor einigen Jahren „etwas anderes erzählt“.

Nebeneffekt dieser Unsitten ist es, dass von einem (ungeschriebenen) Dress Code nicht mehr die Rede sein kann. Man sieht dort Zuschauer am Abend in einer Kleidung, die die daneben Sitzenden allenfalls zum Rasenmähen anziehen würden und empfindet sich im dunklen Anzug dann irgendwie fehl am Platze.

Zu allen Tageszeiten werden im Bereich der Sitzplatzblöcke mitgebrachte Speisen und Getränke verzehrt, Colaflaschen, die gerade geöffnet werden, spritzen munter durch die Gegend, nach Leerung werden sie auf den Boden gelegt, womit die Frage der Entsorgung für den vormaligen Besitzer offenbar erledigt ist.

Nein, schön ist das alles nicht. Maßnahmen, die diesen Missständen entgegen wirken, kosten Geld, z.B. für zusätzliches Personal. Geld ist knapp geworden. Dennoch sollte die GOC-Organisation darüber nachdenken, ob und wie sich hier etwas verbessern lässt.

F.R.

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