Weltmeisterschaft 10 Tänze der Professionals 26.12.2010 - Kiew / Ukraine

Die Ukrainische Dance Sport Association hatte mich als einen der elf Wertungsrichter zu diesem Event eingeladen.

Kiew, das fast über 1000 Jahre alt ist, weihnachtet nicht nur zur Zeit mit seinen strengen winterlichen Temperaturen, sondern auch mit der Herzlichkeit der Einwohner. Das spürte man gleich bei der freundlichen Begrüßung am Flughafen, obwohl mein Flug acht Stunden später eintraf als geplant. Die Wetterverhältnisse in Frankfurt Flughafen am 25. Dezember waren sehr schlecht. Ich war aber nicht der Einzige, und trotz allem war das Dance Sport Team, egal zu welcher Uhrzeit, immer sehr entgegenkommend und hilfsbereit. Schließlich waren alle dort, und man sah schon in den Augen, wie erleichtert sie waren, angekommen zu sein.

Der nächste Tag, 26. Dezember 2010. Normalerweise wäre man an diesem Termin ganz woanders, auch ist selbst kam direkt aus einer warmen Weihnachtsfeier. Wenn aber eine Meisterschaft, zu der man sich im eigenen Land qualifizieren muss und qualifiziert hat, organisiert wird, ist kein Jahresdatum unpassend und Weg auf dieser Welt zu weit, um sich bei einer Weltmeisterschaft gegenseitig mit den Paaren der anderen Nationen zu messen.

23 Paare aus allen Nationen wurden hofierend an der Tanzfläche nacheinander begrüßt und herzlich willkommen geheißen. Die abgehende Treppe, die von der Bühne bis zur Tanzfläche reichte, war genauso ein Risikofaktor wie der Frankfurter Flughafen.

Alle Paare bewiesen Floorcraft. Auf Deutsch: „Bodenkraft“? Nein, nicht ganz: Obwohl der Boden der beste Freund ist, waren Paare in der Lage, den eigentlichen Charakter des Tanzes auch in Situationen der Enge, gekonnt umzuleiten und für sich weiterhin zu gewinnen. Es gab Paare, die gerne bis zu den Enden der Gliedmaßen auf Vollstrom tanzten, aber die Wertungsrichter waren sich unabgesprochen einig, dass diese in den Vorrunden zuhause bleiben sollten.

Die künstlerische Kreativität und zugleich rhythmische Darstellung wurde, aufgrund des Platzes in den weiteren Runden, noch deutlicher, in ihren geformten Leistungen unterstrichen.

Bei diesem Wertungssystem ist bei jedem jeder Tanz wichtig, er wird einzeln bewertet. Man sah, welche Paare sich gut vorbereitet hatten, und dass es auch andere gab. Mit allen Zehn Tänzen ins Finale zu kommen war mit den gezeigten Leistungen nur wenigen Paare möglich.

Konditionell waren die Paare, die ins Finale kamen, gut vorbereitet und hungerten jeweils auf den Moment, dass der jeweilige Tanz beginnen sollte.

Von links nach rechts: Frau Biedniagina (Organisatorin), Roman Myrkin und Nataliia Biedniagina (Weltmeister),

Das Finale bestritten vier Paare komplett mit allen Tänzen, aus USA, Russland, Aserbaidschan und der Ukraine.

Auf dem 1. Platz der Weltmeisterschaft lagen für mich und nicht nur für mich, das Paar aus der Ukraine :
Nataliia Biedniagina und Roman Myrkin. Von der ersten Runde bis zum letzten Tanzende eine sehr gute Darstellung aller Tänze.

2. Platz aus Aserbaidschan
Anna Sazhina und Eldar Dzhafarov. Das zweite Mal bei einer Weltmeisterschaft über 10 Tänze dabei, sie konnten mit ihrer guten Standardleistung zeigen, dass es dem Erstplatzierten im nächstem Jahr wohl gefährlich wird.

3.Platz aus Russland
Anastasia Novozhilova und Alexey Zakharin zeigten in dem Turnier ebenfalls eine sehr hochwertige Leistung, sie waren anderen Paaren in den Vorrunden sehr gut ausgewichen. Danke.

4. Platz aus der USA
Natalia Skorikova und Nikolai Pilipenchuk
Auch dieses Paar führte eine sehr harmonische Disziplin in allen Tänzen von Beginn bis zum Ende vor.

Danach gab es Paare, die nicht in allen zehn Tänzen das Finale bestreiten konnten.

Ein Paar aus Bulgarien, Denitsa Ikomova und Christian Millette begeisterte mich in ihrer Lateinvorführung, wobei sie beide den optimalen Druck zu und von dem Boden mit Geschwindigkeit rhythmisch sehr gut füllten. Schade, dass sie es in den Standardtänzen noch nicht umzusetzen verstehen.
Das Paar aus Deutschland, Aleksandra und Jurij Kaiser glänzten mit Latein und konnten gut mithalten. In Standard fehlte im Vergleich einfach noch zu viel.

Es war eine tolle gut organisierte Veranstaltung, mit der alle Paare, auch in den Pausen, gut zurecht kamen. Auch die Zeiten wurden respektiert. Danke!

Vielen Dank besonders an Frau Biedniagina, die alles für die Ukrainische Dance Sport Association unternommen hatte und eine unvergessliche Weltmeisterschaft in den 10 Tänzen zu organisieren wusste.
Neben dieser WM liefen in den Pausen noch andere Turniere, und es war sehr schön anzuschauen, mit welchen Talenten die westliche Seite der Erdkugel sich der Ukraine zeigen wird, obwohl die östliche Leistung doch jetzt schon im Westen dominiert. Nicht nur in der Darstellung, sondern auch mit ihrer Präsenz und Disziplin.

P.S. Schade das unsere jüngst qualifizierten Deutschen Meister in der 10-Tänze-Disziplin die deutschen Farben nicht präsentierten.

Michael Hull