Deutsche Meisterschaft 10 Tänze der Professionals 17.09.2011 - Chemnitz

Zu den Turnierstätten, die immer wieder Schauplatz großer nationaler und internationaler Tanzsportereignisse sind, zählt die Stadthalle Chemnitz. Wie im Vorjahr hatte es auch dieses Mal die ADTV-Tanzschule Köhler-Schimmel übernommen, die Deutsche Meisterschaft der Professionals über 10 Tänze auszurichten, und sie hat sich dieser Aufgabe wie immer mit Bravour entledigt. Seit einigen Jahren stehen dem DPV nicht sehr viele Paare zur Verfügung, die in beiden Turnierdisziplinen an Wettkämpfen teilnehmen wollen. Bei den Planungen muss man zudem von der aktuell größtmöglichen Zahl mit Rücksicht auf Nichtmeldungen und Absagen noch einen Sicherheitsabschlag vornehmen. Die Zahl der DM-Teilnehmer lag mit vier Paaren letztlich im Rahmen des Erwartbaren.

Das Tanzsportpublikum möchte nicht nur Qualität sehen, sondern erwartet auch eine gewisse Anzahl an Paaren. Vor diesem Hintergrund ist der Durchführungsmodus entstanden, der nun schon seit einigen Jahren praktiziert wird: Es finden zwei getrennte Turniere statt, zu denen sich die Paare auch einzeln anmelden können. Aus den Ergebnissen derer, die an beiden Turnieren teilnehmen, wird dann die Rangfolge der 10-Tänze-Meisterschaft errechnet. Ein virtuelles Turnier sozusagen, dessen Regeln dem Publikum nicht sehr einfach zu vermitteln sind. Aber eine bessere Idee wurde noch nicht gefunden.

Am selben Tag hat in Stockholm die Europameisterschaft Standard stattgefunden, zu der die drei ersten Paare der letzten Deutschen Meisterschaft (12. November 2010 Radolfzell) nominiert waren. Gleichwohl gab es eine Endrunde zu sehen, an der man seine Freude haben konnte. Die Sieger Adrian und Johanna-Elisabeth Klisan sowie die Drittplatzierten Alexander Einfinger und Juliane Strehmann haben kürzlich in Blackpool ein gutes Bild abgegeben und in Chemnitz gezeigt, dass das keine Eintagsfliegen waren. Oliver Thalheim und Tine Spiesbach machen sich derzeit im Turniergeschehen etwas rar, haben aber mit dem zweiten Platz gezeigt, dass mit ihnen immer zu rechnen ist.

Medaillenränge haben erreicht (v.l.n.r.:) Stefan Heinrich/Manuela-Agata Brychzy (2. Platz), Jurij und Aleksandra Kaiser (Deutsche Meister), Mario und Sabine Schiena (3. Platz). (Links: Karl Breuer, rechts: DPV-Sportwart Klaus Gundlach und Jürgen Schimmel.)

Im Lateinturnier konnte man eine Neuauflage des Zweikampfs zwischen Stefan Erdmann/Sarah Latton und Valera Musuc/Nina Trautz kommen sehen. Man wurde nicht enttäuscht: Die Augsburger konnten knapp die Samba gewinnen, alle vier weiteren gingen an die Kölner Konkurrenten. Da bleibt es also weiterhin spannend.

Nach den Turniergebnissen der letzten Zeit und auch nach den Semifinalresultaten dieses Abends war es es klar, dass der Kampf um den Titel zwischen Stefan Heinrich/Manuela-Agata Brychzy (Berlin) und Jurij und Aleksandra Kaiser (Hamburg) stattfinden würde. Jurij und Aleksandra kamen im Lateinturnier in allen fünf Tänzen auf den Bronzerang. Für den Standardteil wurden Stefan und Manuela-Agatha die besseren Chancen eingeräumt. Aber gleich im Tango, der als Solotanz als erster getanzt wurde, haben die Hamburger ihre Chance genutzt und sich vor die Berliner gesetzt. Die vier weiteren Tänze, die dann an Heinrich/Brychzy gingen, konnten am Ergebnis nichts mehr ändern. Das Errechnen des dritten Platzes war nicht einfach, mit 36 : 34 besseren Bewertungen hatten Mario und Sabine Schiena das berühmte Quäntchen Glück mehr als die Gegner.

Boris und Madeleine Rohne wurden anlässlich ihres Abschieds vom aktiven Tanzsport mit der Silbernen Ehrennadel des DPV geehrt. (li.: DPV-Präsident Karl Breuer, re.: Ausrichter und Turnierleiter Jürgen Schimmel)

Der Titel war vakant geworden, weil sich die Deutschen Meister Boris und Madeleine Rohne vor kurzem entschlossen haben, die Zeit des aktiven Turniertanzens zu beenden. Sie haben sich ihrem Publikum - für Boris und Madeleine aus Leipzig war das Chemnitzer Publikum immer "ihr" Publikum - mit einer Standard- und einer Lateinshow verabschiedet. Der DPV hat das Paar für seine Erfolge, aber auch für seine vorbildliche sportliche Haltung mit der Ehrennadel in Silber ausgezeichnet.

Finale Standard:

1. Adrian und Johanna-Elisabeth Klisan (Wetzlar)
2. Oliver Thalheim / Tina Spiesbach (Leipzig)
3. Alexander Einfinger / Juliane Strehmann (Berlin)
4. Felix Schäfer / Nina Ciechowski (Berlin)
5. Stefan Heinrich / Manuela-Agata Brychzy (Berlin)
6. Jurij und Aleksandra Kaiser (Hamburg)

Finale Latein:

1.Stefan Erdmann / Sarah Latton (Köln)
2. Valera Musuc / Nina Trautz (Augsburg)
3. Jurij und Aleksandra Kaiser (Hamburg)
4. Sven und Valentina Binek (Ahlen)
5. Stefan Heinrich / Manuela-Agata Brychzy (Berlin)
6. Federico Slemties / Alessja Sapadenskaja (Hannover)

Deutsche Meisterschaft 10 Tänze:

1. Jurij und Aleksandra Kaiser (Hamburg)
2. Stefan Heinrich / Manuela-Agata Brychzy (Berlin)
3. Mario und Sabine Schiena (Leverkusen)
4. Boris Baßler / Daniela Heinzmann (Heppenheim)

Das Wertungsgericht war hochkarätig, auch ehemalige Weltmeister stehen auf der Liste:
Katja Convents (Bonn), Thomas Fröhmer (Standard) und Uta Fröhmer (Latein) (Alfter-Impekoven), Michael Hull (Osnabrück), Fred Jörgens (Taucha), Oliver Kästle (Köln) Frank Knief (Norderstedt), Michael Stylianos (Großbritannien).

Michael Stylianos kam an diesem Wochenende noch ein weiteres Mal zum Einsatz: Für den Sonntag konnte er vom DPV für eine Paarschulung verpflichtet werden, von der die Teilnehmer begeistert waren.

Falko Ritter

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