Europameisterschaft Latein 2011 - 19.11.2011 Bonn

Europameisterschaft Latein: Kaum Änderungen an der Spitze

Die Startliste war dieses Mal etwas erläuterungsbedürftig: Eine Sonderregelung galt für die Titelverteidiger. Sie sind seit kurzem nicht mehr für Polen, sondern für Großbritannien registriert und unterliegen deshalb derzeit noch einer Startruhe (Abschnitt 4.3.3 der WDC Competition Rules). Nach Abschnitt 3.2.4 der Rules waren sie als Titelverteidiger jedoch gleichwohl startberechtigt.

Wie immer durften die europäischen WDC-Mitglieder je zwei Paare nominieren. Hinzu kamen erstmals drei Paare, die gemäß Abschnitt 3.5 der Rules „Wild Cards“ erhalten hatten. Für die Vergabe der Wild Cards wird die WDC-Rangliste der jeweiligen Disziplin zugrunde gelegt. Zum Zuge kommen die drei nach der üblichen Nominierung durch die WDC-Mitglieder verbleibenden bestplatzierten Paare. Dieses Mal waren das Paare aus Großbritannien, Russland und Deutschland. Dass diese Regelung unter Leistungsgesichtspunkten ihren Sinn hat, zeigt das Gesamtergebnis: Bei 35 Teilnehmern haben alle drei Paare Plätze im Bereich 13 bis 16 belegt.

Zu diesen drei Paaren zählten auch Valera Musuc und Nina Trautz aus Deutschland. Das war nach der Europameisterschaft Kür Latein Ende Oktober in Leipzig ihre zweite internationale Meisterschaft. Auch hier haben sie sich sehr gut präsentiert. „Mit einem hervorragenden geteilten 16./17. Platz konnten Valera Musuc und Nina Trautz den Heimvorteil und ihr unbekümmertes Auftreten ausnutzen um bei ihrer 1. EM für ein tolles Ergebnis für Deutschland sorgen“, schreibt DTV-Verbandstrainer Laurens Mechelke auf der Internetseite dancing 24.

Markus Homm und Ksenia Kasper
Jesper Birkehoj und Anna Kravchenko
Valera Musuc und Nina Trautz

Eine Runde weiter, ins Semifinale also, kamen die Ersten der deutschen Latein-Rangliste Jesper Birkehoj und Anna Kravchenko. Sie schlossen das Turnier mit dem 12. Platz ab. Nach dem Viertelfinale waren sie noch mit 30 Kreuzen auf Platz 8/9 gelegen. Nun kann einerseits bei der Addition der Kreuze schon eine kleine Differenz zu einem größeren Platzunterschied führen, andererseits dürfte das Viertelfinale in der Tat ihre stärkste Runde gewesen sein, auf die das Urteil „entspannt und ausdrucksstark“ (Mechelke) sicher zutrifft.

In diesem wunderschönen Saal tanzt die internationale Elite immer wieder gerne.

Ins Finale kamen fast dieselben Paare wie im Vorjahr. Fast, das bedeutet: Slavik Kryklyvyy, im Vorjahr auf dem Bronzerang, war nicht am Start. Seine Partnerin 2010 Anna Melnikova ist jetzt nicht nur Ehefrau, sondern auch neue Tanzpartnerin von Justinas Duknauskas, der mit seiner damaligen Partnerin Ekaterina Lapaeva 2010 auf Platz 5 gekommen war. Für die neue Partnerschaft ergab sich, rechnerisch irgendwie gerecht, Platz 4. Markus Homm und Ksenia Kasper haben erwartungsgemäß und zuverlässig das Finale erreicht und kamen auf Platz 5. In den ersten drei Tänzen war der Abstand zu den Litauern nur hauchdünn, die beiden letzten Tänze brachten dann allerdings eine recht klare Entscheidung zugunsten der Litauer. Der rechnerisch frei gewordene Platz 6 fiel dem Vorjahressiebten Soldi/Nasato zu. Und so war praktisch wieder alles beim Alten.

Siegerehrung. Rechts neben dem Podest die Viert- bis Sechsplatzierten.
Auch dieses Mal ein hervorragender Turnierleiter: Matthias Fronhoff.

Schon ein Jahr nach der nahezu legendären Latein-Weltmeisterschaft 2010 schon wieder ein großes internationales Turnier an derselben Stelle. Viele Faktoren haben damals zusammen gewirkt und eine Wettkampfatmophäre zustande gebracht, wie man sie selten erlebt. Aber manches lässt sich nicht einfach wiederholen: Franco Formica und Oxana Lebedew, umjubelte WM-Dritte des letzten Jahres, tanzen nicht mehr zusammen, auch zu einem spannenden Finale mit einem ebensolchen Kampf um Sieg und Titel konnte es nicht kommen. Und dennoch: Matthias Fronhoff, Ausrichter und Turnierleiter in Personalunion, hat es erneut verstanden, die mittlerweile vielleicht schon weltbekannt Maritim-Turnieratmosphäre in den Saal zu zaubern.

Falko Ritter


Finale:
1. Michael Malitowski / Joanna Leunis (Großbritannien)
2. Sergey Surkov / Melia Surkov (Russland)
3. Andrej Skufca / Melinda Törökgyörgy (Slowenien)
4. Justinas Duknauskas / Anna Melnikova-Duknauskas (Litauen)
5. Markus Homm / Ksenia Kasper (Deutschland)
6. Emanuele Soldi / Elisa Nasato (Italien)

Wertungsrichter: François Visèle (Frankreich), Nicola Nordin (Grossbritannien), Denise Abrate (Italien), Krzystof Wasilewski (Polen), Elena Khvorova (Russland), Warren Brown jun. (Schottland), Barbara Ambroz (Slowenien), Attila Làslo (Ungarn), Evelyn Hädrich-Hörmann (Deutschland)

Die kompletten Wertungen sind auf den WDC-Seiten veröffentlicht:
http://www.scrutelle.info/results/wdc/111119_ec_lat/index.htm

Eine rund 40minütige Aufzeichnung des Turniers kann auf den Seiten des World Dance Council aufgerufen werden:
http://www.wdcdance.org

DTV-Verbandstrainer Laurens Mechelke hat auf den Seiten dancing24 einen Bericht veröffentlicht:
http://www.dancing24.com/tanzsport/turnierberichte-2009/2011/turnierberichte-2011/2011/em-latein-professionals/

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