Europameisterschaft Kür Latein 2012 - 29.09.2012 - Siegen

Europameisterschaft Kür Latein

Das Wertungsrichter-Team

Pressevertreter und Fernsehleute behaupten oft, die Regeln des Tanzsports seien schwer verständlich und könnten dem Publikum kaum vermittelt werden. Das sieht aber in anderen Sportarten nicht anders aus; wer schon versucht hat, die Biathlon-Regeln oder im Fußball die Abseitsfalle zu erklären, weiß das. Komplizierter ist das Wertungssystem im Tanzsport nicht: In den Standard- und in den Lateintänzen gibt es weitgehenden Konsens darüber, was „gut“ und was „weniger gut“ ist. Das hat zur Folge, dass die meisten Ergebnisse von den Paaren, den Fachleuten und den Zuschauern abzeptiert werden und nachvollzogen werden können.

Der Gastgeber: Jürgen Tuppeck

Anders bei der Kür: Oft kann keiner wirklich sagen, warum die eine Kür besser bewertet worden ist als eine andere. Die WDC Competition Rules nennen in Abschnitt 6.3.14 für die B-Note Gesichtspunkte, die zwar für die Gestaltung einer Kür eine Hilfe sein können, beschreiben aber nicht die Kriterien, mit denen plausibel erklärt werden kann, warum A besser war als B. Beispiele: „Are there clever and musically related ideas used in the choreography? Entertainment related to the public.“

Dass das so ist, hat sich bei der Europameisterschaft Kür Latein in Siegen erneut bestätigt: Für vier der sechs Finalpaare hat das Wertungsgericht die komplette Skala von 1 bis 6 ausgeschöpft, für die beiden anderen 2 bis 6 bzw. 2 bis 5. Die Quersummen der vergebenen Plätze, die bei völliger Einheitlichkeit der Wertungen 7-14-21-28-35 lauten würden, sind 20-21-24-26-27-42. Die Treppchenpaare wurden - in der Reihenfolge des Ergebnisses - zweimal, dreimal, einmal auf Platz eins gesetzt. Das ist nicht immer so, leider ist es aber auch kein Einzelfall.

Die beiden deutschen Paare haben sich trotz dieser Gegebenheiten hervorragend präsentiert. Christian Polanc und Melissa Ortiz-Gomez befassten sich in ihrer Kür mit der Roman- und Filmfigur „Zorro“. Valera Musuc und Nina Trautz hatten sich von dem US-Film „Mr. & Mrs. Smith“ aus dem Jahr 2005 (mit Brad Pitt und Angelina Jolie) inspirieren lassen. Beides sind Themen, die dem Zuschauer einen Hinweis geben, was das Paar zeigen will. Aus diesen Themen wurden einfallsreiche Choreografien entwickelt, die auf einem hohen technischen Niveau vorgetragen wurden. So gesehen sind die erzielten Plätze, der vierte und der fünfte also, mehr Zufallsprodukte als dass sie einen Rückschluss auf die Relation der Leistungen zuließen. Beide Paare haben ihre Ergebnisse mit respektabler sportlicher Haltung hingenommen, Freude über das Ergebnis kam bei ihnen nicht auf, wohl aber beim deutschen Publikum über ihre hervorragenden Küren.

Das war schade, denn es war eine sehr gute Veranstaltung: Die ADTV-Tanzschule Tuppeck hat seit 1975 in 30 Turnieren Erfahrungen gesammelt, auch diese Europameisterschaft war sehr gut organisiert und vorbereitet.


Finale:

1. Sven Ninnemann / Nina Uszkureit (Schweiz)
2. Justas Kucinskas / Ekaterina Romankova (Litauen)
3. Arsen Agamalyan / Oxana Vasilieva (Russland)
4. Christian Polanc / Melissa Ortiz-Gomez (Deutschland)
5. Valera Musuc / Nina Trautz (Deutschland)
6. Oleksandr Yelizarov / Nataliia Ivanova (Ukraine)

Semifinale:

7. Andrei Andronic / Ecaterina Dosan (Moldawien)
8. Giuseppe Esposito / Roberta Lodato (Italien)
9. Dmitry Kolesnikov / Maria Keijzman (Russland)
10. Alexey Bgantsev / Irina Bgantsev (Israel)


Wertungsrichter:

François Fouchet (Frankreich), Adrian Prichard (Grossbritannien), Wendy Kroeze (Niederlande), Trudi Barr (Norwegen), Erik Hento (Finnland), Andrey Bushchik (Russland), Petra Matschullat-Horn (Deutschland)