Der Tanzsport der Professionals und der DPV

Der DPV feiert in diesem Jahr sein 25jähriges Bestehen. Eine richtige Neugründung war es nicht, eigentlich hat sich nur die Rechtsform einer schon seit langem bestehenden Einrichtung geändert. Bei einem Rückblick reicht es deshalb nicht aus, nur die 25 Jahre DPV zu betrachten, man muss - wenigstens in groben Zügen etwas weiter zurück gehen.

Die Tanzsporthistoriker halten 1907 für das Geburtsjahr des Tanzsports. In diesem Jahr hat in Nizza das erste Tangoturnier stattgefunden. 1912 wird erstmals in Deutschland, nämlich im Berliner Admiralspalast, ein Tanzturnier veranstaltet. In der ersten Zeit war ein Unterschied zwischen Amateur- und Profiturnieren noch nicht so klar auszumachen.

Das hat sich bald geändert, Amateure und Profis organisierten sich in voneinander unabhängigen Verbänden: 1921 wird der Reichsverband für Tanzsport (RfT)  ins Vereinsregister eingetragen; er ist als  Vorläufer des Deutschen Tanzsportverbandes (DTV) anzusehen. 1922 ist das Jahr der Gründung des ADTV. 1931 findet in München die erste offizielle deutsche Profimeisterschaft statt.

Während dem Zweiten Weltkrieg waren die Voraussetzungen für einen nennenswerten Turnierbetrieb natürlich nicht gegeben. Aber schon 1946 wird in Köln-Junkersdorf die "Interessengemeinschaft Deutscher Clubs zur Pflege des Gesellschaftstanzes" (IPG) gegründet. 1948 entsteht die "Arbeitsgemeinschaft deutscher Tanzlehrer-Verbände“, bald darauf das "Turnieramt der Gesellschaftstanzschulen" (TAG), später umbenannt in  "Deutsches Amateur-Turnieramt" (DAT).

Als Vorläufereinrichtung des DPV wird allgemein das Professional Turnieramt (PTA)
angesehen, das 1948 gegründet wurde. Die Leitung übernahm Herbert Heinrici.
1950 wird In Bad Kissingen der "Allgemeine Deutsche Tanzlehrer Verband" (ADTV) wieder gegründet. Leiter des PTA wird Fred Dieselhorst, gefolgt  von  Hans-Peter Eichhorn, Theodor Blell und (1978) Rudolf Trautz.

1950 ist auch das Gründungsjahr des „International Council of Ballroom Dancing“ (ICBD), das später zweimal seinen Namen wechselte: Ab 1992 lautete er „World Dance and Dance Sport Council (WD&DSC)“, ab 2006 „World Dance Council“ (WDC).

1959 findet in London die erste offizielle Latein-Weltmeisterschaft der Professionals
statt. 1960 wird in Bad Kissingen die erste deutsche Latein-Meisterschaft der Professionals ausgetragen: Erste deutsche Latein-Profimeister werden Rudi Trautz und Inge Schmid.
 
1987 ist der Mannheimer Rosengarten zum ersten Mal Schauplatz der "German Open Championships“ (GOC): Der DTV richtet die Amateurturniere aus, der DPV die Turniere der Professionals.

In den folgenden Jahren sind die Voraussetzungen für den Tanzsport äußerst
günstig. Das Fernsehen ist dem Tanzsport wohlgesonnen, glanzvolle Turniere werden live übertragen, es ist nicht schwer, großzügige Sponsoren zu finden. Ein solches Umfeld ist natürlich auch ein guter Nährboden für sportliche Erfolge, die Ergebnislisten der internationalen Meisterschaften und großen internationalen Traditionsturniere beweisen das.

Diese Entwicklung ist einer der Gründe, aus denen man Ende der Achtzigerjahre ins Auge fasst, dem Profitanzsport eine andere Rechtsform zu geben: Am 30. April 1988 beauftragt die Mitgliederversammlung des PTA den Vorstand, das PTA in einen eingetragenen Verein umzuwandeln. In der Begründung zu einem Satzungsentwurf vom Januar 1990  heißt es:

„Die besonders aufgrund der Fernseh- und Sponsoren-Verträge und der daraus resultierenden stärkeren Beteiligung am finanziellen und wirtschaftlichen Geschäftsverkehr, sowie der in der Zwischenzeit erheblich gestiegenen Verpflichtungen und vertraglichen Einbindungen des PTA müssen durch eine andere als die bisherige Rechtsform rechtlich abgesichert werden.“

Am 15. August 1990 findet in Bad Kissingen die Gründungsversammlung des DPV statt. Das Protokoll der Gründungsversammlung ist auf Seite …. abgedruckt.

Am 18. und 19. November genehmigen ADTV-Verbandsrat und ADTV-Präsidium einstimmig die Satzung. Die Anmeldung des Vereins zur Eintragung ins Vereinsregister wird am 27. November 1990 beim Amtsgericht Köln vorgenommen.

In der DDR ist noch vor dem Beitritt zur Bundesrepublik ein Amateur-Tanzsport-Verband (ATV) gegründet worden. Auch der „Profitanzsport“ wurde der westdeutschen Struktur angeglichen. (Vgl. hierzu den Bericht von Jürgen Schimmel, Seite ...)

Die Rahmenbedingungen, die der DPV in dem Vierteljahrhundert seines Bestehens vorgefunden hat, waren insgesamt nicht mehr so günstig wie zuvor: Das Interesse des sportinteressierten Publikums richtet sich nicht mehr in demselben Maß wie früher auf den Tanzsport. Zum Beispiel ist an den neuen Disziplinen der Olympischen Winterspiele izu sehen: Tempo und vor allem Nervenkitzel haben derzeit eine hohe Priorität.

Hinzu kommt: In vielen osteuropäischen und asiatischen Ländern hat das große Interesse am Tanzsport inzwischen Früchte getragen. Die Start- und die Ergebnislisten der internationalen Turniere zeigen, dass seit einiger Zeit stets mit leistungsstarken Teilnehmern aus den genannten Ländern zu rechnen ist.

Um so erfreulicher ist es, dass der DPV nach 25 Jahren eine gute Bilanz vorweisen kann: Derzeit hat der DPV rund 300 ordentliche und eine große Zahl fördernder Mitglieder.  

Die sportliche Bilanz des deutschen Profitanzsports war stets ist nach wie vor beachtlich. Die nachfolgende Chronik beweist das.

Der DPV genießt auch als erfolgreicher Ausrichter großer internationaler Meisterschaften weltweit  Anerkennung. Er hat seit seiner Gründung 33 Europameisterschaften und 36 Weltmeisterschaften ausgerichtet.

Hier sind insbesondere die ADTV-Tanzschulen Breuer (Köln) und Breuer (Troisdorf) mit den Turnierorten Bonn, Troisdorf, Wuppertal, die ADTV-Tanzschule Köhler-Schimmel (Chemnitz) mit den Turnierorten Chemnitz, Limbach-Oberfrohna und Suhl, die ADTV-Tanzschule Walter (Balingen) und die ADTV-Tanzschule Tuppeck (Siegen) zu nennen. Erfreulicherweise sind immer wieder auch andere ADTV-Tanzschulen und Kurverwaltungen bereit, die Ausrichtung eines Turniers zu übernehmen.

Die internationale Tanzsportpolitik war immer wieder ein Sorgenkind auch des DPV:
National hat das Nebeneinander des Amateurverbandes DTV und des Profiverbandes DPV lange Zeit gut funktioniert, so gut, dass sich der DPV im Jahr 2000 dem DTV als „Fachverband mit besonderer Aufgabenstellung“ angeschlossen hat. Beiden nationalen Verbänden war aber bewusst, dass ihre Zugehörigkeit zu zwei verschiedenen internationalen Verbänden zu Problemen führen könnte, dann nämlich, wenn die internationalen Verbände divergierende Ziele verfolgen und hierfür von ihren Mitgliedern Gefolgschaft erwarten.

So kam es nach rund zehn Jahren der Mitgliedschaft des DPV im DTV: Der DTV hat dem DPV angekündigt, er werde den Erwartungen des WDSF entsprechend eine „Professional Division“ einrichten. Unter dem Dach des DTV einer von zwei Profiverbänden zu sein war für den DPV nicht die Perspektive, die einen Fortbestand der Mitgliedschaft im DTV gerechtfertigt hätte. Er hat seine Mitgliedschaft deshalb  zum Ende des Jahres 2011 beendet.

Der DPV hält es allerdings für wichtig, dass ihm ein eigener „Amateurunterbau“ zur Verfügung steht, aus dem heraus sich sein Bestand an Profiturnierpaaren ergänzen kann. Eine Satzungsänderung im Jahr 2014 war hierfür die Grundlage: Dem DPV gehört nunmehr ein Fachverband für Amateurtanzsport an, die „German Amateur League“. Ein weiterer neu eingerichteter Fachverband kümmert sich um Trainerangelegenheiten. Die beiden Fachverbände werden von Bernd Bork auf S. … und von Heiko Kleibrink auf Seite … vorgestellt.

Was im Einzelnen in den 25 Jahren des Bestehens des DPV auf den Turniertanzflächen und im Verbandswesen geschehen ist, kann in einer Chronik (Festschrift*) nachgelesen werden.

Falko Ritter

*Die Festschrift erhielten alle Zuschauer der Kür-WM am 19.11. in Bonn.